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Schule & Informatik

Wie sollte ein moodle-Kurs aufgebaut sein?

Diese Frage hat mich gestern auf einer Sitzung zusammen mit anderen Kollegen beschäftigt. Denn auch wenn es moodle jetzt schon seit ein paar Jahren bei uns in Bayern gibt, so wird es doch eher wenig von Schüler und Lehrer benutzt.

Die Frage daher: Wie müsste eine Kursvorlage aussehen, damit andere Lehrer diese Vorlage gerne benutzen und ihren Unterricht damit gestalten.

Und los gings:

  • Der Kurs muss im Inhalt anpassbar sein, weil verschiedene Lehrbücher verwendet werden.
  • Der Kurs muss vom Ablauf anpassbar sein – auch wegen der Lehrbücher
  • Ich muss als Lehrer den Kurs meinem Unterrichtsstil anpassen können.
  • moodle darf nicht mehr Zeit in Anspruch nehmen als eine normale Unterrichtsvorbereitung

Und die Sicht der Schüler? Auch das wurde – repräsentativ an einer Schule erfragt – berücksichtigt:

  • Schüler der Oberstufe hätten gerne  Skripte zum Herunterladen und alle Lösungen der Aufgaben.
  • Schüler der Unterstufen schauen gerne Filme und Animationen und machen gerne kurze Quize.
  • Schüler der Mittelstufe haben keine Lust zu arbeiten und daher auch keine Lust auf moodle.

Diese Aussagen wurde im Wesentlichen von allen Anwesenden bestätigt. Was heißt das jetzt für die Erstellung eines moodle-Kurses? Eigentlich muss ich nicht wirklich was machen, denn die Lösungen für die Mathe-Aufgaben der Oberstufe gibt es beim Verlag, die Videos für die Unterstufe bei youtube und die Quize bei abfrager.de oder learningapps.org.

Warum sollte ich also moodle benutzen? Denn Videos müsste ich selbst suchen, Quize müsste ich anpassen, Lösungen mühsam in Dokumente eventuell tippen.

Das Problem liegt an der falschen Reihenfolge: Ich habe ein Werkzeug und möchte/muss es einsetzen, weil es modern/hipp/uptodate/der neue Trend/Geld gekostet hat. Aber was kann man nun damit machen und warum?

Man muss die Fragen anders herumstellen und um andere Fragen ergänzen:

  1. Was ist mein Ziel?
  2. Welches von vielen Werkzeuge habe ich zur Auswahl? Welches nehme ich?
  3. Wer kann es machen?
  4. Bis wann und welcher Form wird es umgesetzt?

Bislang ist es in der Reihenfolge:

  1. Ich habe das eine Werkzeug moodle.
  2. Wir, die wir uns bereitserklärt haben machen es.
  3. Termin ist Weihnachen bzw. Ende November, weil ab Januar Ergegnisse da sein müssen.
  4. Ziele: …. (nicht konkret; s.o.) Unterricht soll besser, also moderner werden.

Ich glaube, dass das Problem klar geworden ist. Wenn ich kein konkretes Ziel habe, geht jeder Schritt in die richtige Richtung.

Dabei müsste doch gerade die Zielentwickung hier um Vordergrund stehen – vor allem, weil die Technik noch nicht optimal funktioniert (massive Performanceprobleme, Urheberrechtsprobleme, Datenschutzprobleme – die ich inzwischen genauso hasse, wie Feuerschutzmaßnahmen, administrative Probleme).

Eine Beispielsituation:

Gerade abfrager.de habe ich für mich entdeckt. Eine Vertretungsstunde im Computerraum – kein Problem. Alle dürfen ins Internet und Fragen beantworten. Manche scheitern an den Kindergartenfragen, andere bestehen schon VWL an der Uni und viele üben einfach Englisch, Französisch, Latein.

Reflektion:

Der Schülern hat gut gefallen, dass sie auf unterschiedlichem Niveau arbeiten konnten. Manche haben produktiv gearbeitet, manche haben ihre Wissensgrenzen getestet. Aber ALLE haben gearbeitet – auf unterschiedlichem Niveu.

Ergebnis:

Der Computer kann mir die Möglichkeit geben, die Inhalte vom Niveau zu strukturieren. Und damit wäre auch Inklusion vielleicht lösbar oder wenigstens lösbarer.

Ich für meine Teil möchte daher testen, wie ich meinen Unterricht mit Hilfe von moodle, das Werkzeug kann ich leider nicht auswählen, so gestalten kann, dass ….

  • …unterschiedliche Lern-Niveaus möglich sind. Denn nicht nur die schlechteren Schüler haben Rechte, auch die guten Schüler möchten gefördert werden.
  • …Inklusion sinnvoller geschehen kann.

Das konkrete Thema habe ich noch nicht, vielleicht Physik (Mechanik in der 7. Klasse),  Mathematik (Kongruenzsätze) oder Informatik (Einführung von Feldern)

6 Kommentare

  1. Sehe ich auch so. (Abfrager.de habe ich neulich auch gewinnbringend genutzt.) Es wäre schön, wenn man sich die Werkzeuge aussuchen könnte, andererseits ist ein einheitliches Werkzeug vielleicht gut, um Leute zu erreichen, die sonst gar kein derartiges Werkzeug verwenden. So oder so sehe ich zu oft das Werkzeug im Vordergrund und nicht das Ziel. Am End stellt sich heraus, dass das Ziel ganz anders auch geht… Viel Glück mit Moodle.

  2. Mir hat gefallen, dass du erwähnst, dass nicht das Werkzeug im Vordergrund stehen sollte. Das vergisst man (ich) schnell bei den vielen neuen Werkzeugen, die fast täglich auf den „Markt“ kommen.

  3. Ich arbeite schon seit einigen Jahren mit Moodle und von einer „Arbeitserleichterung für Lehrer“ kann ich nicht sprechen, aber Moodle lässt sich wunderbar für unterschiedliche Niveaustufen nutzen. Ich verwende Eingangstests zu Beginn eines jeden Schuljahres und Moodle teilt die Lernenden automatisch in unterschiedliche, vorher definierte, Niveaustufen ein. Somit erhalten alle Lernenden, basierend auf ihrem Vorwissen, individuelle Aufgaben. Zur Sicherstellung der geforderten Lerninhalte durch Rahmenlehrpläne, gibt es Basisaufgaben, die alle Lernenden bearbeiten müssen. Ich nutze dazu die Technik der Lernpfade (http://blog.bmoodle.de/lernpfad-in-moodle/)

    • Das hört sich spannend an. Wie läuft die Aufteilung ab? Werde da Gruppen dann automatisch erzeugt? Ich muss mich unbedingt mal auf deinem Blog durcharbeiten, das liest sich alles ja super spannend.

      • Die Einteilung läuft über das Testmodul. Dort lege ich eine Vielzahl an Testfragen zum jeweiligen Unterricht an. Je nach Testergebnis (natürlich unbenotet, muss den Lernenden im Vorfeld unbedingt erklärt werden, die reagieren bei Testfragen immer gleich mit Angst) werden unterschiedliche Themenbereiche freigeschaltet. Die Freischaltung funktioniert über die „bedingte Verfügbarkeit“ von Moodle. Ich muss das in meinem Blog mal etwas genauer beschreiben.

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