Agiles Denken in Schulen (2)

Nach der kurzen Einführung ins Projektmanagement entlang des Wasserfallmodells soll nun eine kurze Erklärung in das Agile Projektmanagement folgen.

Das Problem mit dem Wasserfallmodell

„Warum gibt es überhaupt andere Projektmanagement-Modelle? Das Wasserfallmodell mit seinem strikten Ablauf und den Meilensteinen ist doch prima.“

Das mag schon stimmen, nur laufen in der Regel Projekte nur selten so ab, wie man sich das vorstellt:

  • Mitarbeiter verschwinden durch Krankheit oder durch einen Jobwechsel (selbst erlebt)
  • Das Geld reicht nicht, weil es für was anderes benötigt wird (selbst erlebt)
  • Der Zeitpunkt ändern sich – meistens soll es dann auch noch früher fertig werden (selbst erlebt)
  • Ziele ändern sich (selbst erlebt)
  • Anforderungen ändern sich (selbst erlebt)
  • usw.

Und je länger ein Projekt dauert, desto größer ist meiner Erfahrung nach die Chance, dass mindestens eines der genannten Probleme auftaucht. Nicht, dass man diese Probleme mit dem Wasserfallmodell nicht lösen könnte. Aber es muss doch noch einen besseren Ansatz geben.

Agiles Projektmanagement

Soweit ich weiß, und ich mag da falsch liegen, kam das Agile PM ursprünglich aus der Software-Entwicklung. Denn dort, so habe ich es jedenfalls erlebt, tauchen die oben genannte Probleme massiv auf. Die zugehörige Wikipedia-Seite gibt dazu einen schönen Überblick.

Wie man auf der Wikipedia-Seite nachlesen kann, gibt es einige Kriterien, die in einem sogenannten Manifest zusammengefasst werden und verschieden, daraus abgeleitete PM-Verfahren. Für mich persönlich kristallisierte sich dabei das SCRUM-Verfahren als so etwas, wie die eierlegende Wollmilchsau heraus. Wie das in etwas funktioniert zeigen die folgenden beiden Video eigentlich ganz gut:

Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Elemente, wobei ich gleich mal versuche parallelen zur Schule herzustellen:

  • Es gibt keinen Projektmanager!
  • Es gibt so etwas wie den Auftraggeber (Product Owner) und einen Unterstützer (Scrum Master).
    Lehrer sind in der Regel Scrum Master und Product Owner in einem. Wir geben vor, was wir gerne hätten und helfen den Schüler das Ziel zu erreichen in dem wir passenden Unterricht machen.
  • Das Endprodukt wird in möglichst viele, kleine und sinnvolle Elemente zerlegt und priorisiert im Product Backlog abgelegt.
    Auch das machen wir Lehrer. Wir überlegen uns, wie man den Schülern am sinnvollsten die Kompetenz, die man vom Product Owner (Lehrplan) bekommen hat, beibringen kann und legen Zwischenschritte sowie eine Reihenfolge fest.
  • Dann werden die Schritte nacheinander durchgeführt und am Ende eines jeden Schrittes wird getestet, ob alles geklappt hat.
    Im letzten Fall schreiben wir Lehrer dann eine Prüfung und prüfen damit, ob das Ziel des Product Owner (Lehrplan) erfüllt wurde.
  • Auf Basis der Prüfungen werden die Anforderungen neu priorisiert und dann geht es wieder von vorne los.
    Diesen letzten und in meinen Augen entscheidenden Schritt machen wir Lehrer dann oftmals nicht. Meist, weil wir es zeitlich nicht schaffen. Der Lehrplan muss ja eingehalten werden. Leider, denn hier wäre Raum für Möglichkeiten.

Zusammengefasst in einem Bild sieht das bei mir dann so aus:

Einen wichtigen Aspekt habe ich dabei jetzt noch gar nicht angesprochen: die Kommunikation. Agiles PM lebt von der Kommunikation:

  • Product Owner und Scrum Manager entscheiden vielleicht mit dem Team, wie die Priorisierung ist.
  • Die Zerlegung einer Anforderung in Einzelschritte (Sprint Backlog) wird zusammen durchgeführt.
  • Wer was macht, wird zusammen im Team entschieden. Dabei kann jeder frei wählen und auch mal was machen, was er noch nicht so gut kann. Dann bekommt er halt Unterstützung. Damit sorgt man dafür, dass die Kompetenz im ganzen Team im Optimalfall steigt; Stichwort Digitalisierung der Schulen.
  • Wie weit jeder mit seiner Arbeit ist, wird täglich oder wenigstens wöchentlich kurz besprochen. Wer Probleme hat und Unterstützung benötigt, sagt dies in diesen kurzen Meetings. Ach ja, diese Meetings werden in der Regel im Stehen durchgeführt, damit sie nicht zu lange dauern.

So weit kurz zu den Kernelementen. Selbstverständlich kann man da noch beliebig mehr zu schreiben, aber ich wollte ja auch nur einen kurzen Einblick geben.

Im nächsten Beitrag geht es dann um „Agile Didaktik„:

„Es lohnt sich oft, im Unterricht die jeweiligen, aktuellen Gegebenheiten, Chancen und Widerstände aus dem Moment heraus zu berücksichtigen, anstatt einem vorgefassten Plan strikt zu folgen.“

Wer mag, kann sich auf der Internetseite agiledidaktik.ch schon mal einlesen und versuchen, die obige Element des Agilen PM in der Agilen Didaktik wiederzuentdecken.

Im vierten Teil erzähle ich dann aus meiner persönlichen Erfahrung. Schwerpunkte werden P-Seminare und das Medienkonzept sein. Aber eventuell auch „normaler“ Unterricht und was mir sonst noch einfällt. Für Anregungen bin ich ganz offen.

Beteilige dich an der Unterhaltung

2 Kommentare

  1. Für mich klingt der Artikel leider viel zu einseitig und werbend. Verschiedene Vorgehensmodelle existieren nicht umsonst, sondern für unterschiedliche Anforderungen an Projekte. Es gibt nicht „das Beste“, sondern nur „das Passende“. Und das kann sich immer wieder ändern.

    1. Danke für die Rückmeldung. Und natürlich ist der Artikel einseitig. Er sollte ja auch einseitig sein. Und ich wollte gar nicht erst versuchen Agiles Projektmanagement in allen seine Facetten und Abstufungen zu erklären. Nicht ohne Grund gibt es einen Haufen dicker Bücher, die auf jede einzelne Form von (Agilem) Projektmanagement eingehen. Und nicht ohne Grund ist Projektmanagement eine sehr gefragte Qualifikation, die, wenn man sie beherrscht, auch sehr gut bezahlt wird. Mir geht es schwerpunktmäßig um eine bestimmte Denkhaltung. Einen anderen Blick auf die Dinge. Vielleicht schaffe ich es noch in den folgenden Artikeln das herüber zubringen.
      Das Wasserfallmodell, genauso wie das V-Modell, das Spiralmodell und die vielen Varianten von Agilem Projektmanagement (Scrum, Kanban) haben alle ihre Vor- und Nachteile. Viele kennen aber meiner Erfahrung nach nur das Wasserfallmodell. Und das Agile PM ist einfach mal ganz was anderes.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite (Scrollen, Navigieren) stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen