Einer meiner Lieblingsschauspieler, Will Smith, hat mal wieder einen Film am Start. Dieser kommt zwar wahrscheinlich erst im Januar 2017 heraus, aber der Trailer macht jetzt schon Lust auf mehr.

Ähnlich wie in seinem beeindruckenden Film Film 7 Leben aus 2008 oder auch dem nicht ganz so dramatischen Film Das Streben nach Glück (2006), geht es hier um die großen Dinge des Lebens:

Liebe: Jeder möchte geliebt werden
Zeit: Jeder möchte mehr Zeit haben
Tod: Jeder Mensch hat Angst vor dem Tod

Dabei trifft die von Will Smith dargestellte Figur die personifizierte Liebe, die Zeit und den Tod und kann mal richtig Dampf ablassen. Spontan kam mir die Erinnerung an Dickens Weihnachtsgeschichte. In Dickens Erzählung wird die Geschichte von Ebenezer Scrooge erzählt, der nacheinander  drei Geister trifft, welche ihm jeweils die vergangene, die heutige und die zukünftige Weihnacht zeigen. Konfrontiert mit seinem eigenen Leben und dessen Auswirkung ändert Scrooge sein Verhalten zum Positiven.

Nun aber zurück zum neuen Film von Will Smith. Mich persönlich stört etwas an obiger Auflistung: Die drei erwähnten Aspekte sind vor allem Motive eines Erwachsenen. Aus meiner Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen, die beispielsweise noch nicht wirklich das Gefühl haben, dass sie zu wenig Zeit haben, gibt es noch ein anderes Grundmotiv. Eines, das sich auch im Erwachsenenalter nicht verliert, aber in Anbetracht der obigen drei Motive wahrscheinlich eher zu einem Hintergrundrauschen verliert: Wahrgenommen zu werden. Ein etwas sperriger Ausdruck, den ich lieber durch Respekt ersetzen würde, aber Respekt ist dann doch wieder etwas anderes.

Was meine ich nun mit dem Begriff Wahrgenommen zu werden? Vom Moment der Geburt an, streben wir nach Aufmerksamkeit, wollen wahrgenommen werden. Zunächst von unseren Eltern, weil wir trinken oder die Windel gewechselt haben wollen. Als junges Kind dann, weil wir zeigen wollen, was wir tolles gemalt und gebastelt haben. Das wir schon ein Rad schlagen können oder besonders gut schaukeln oder ohne Stützräder schon fahren können. Als Jugendlicher möchte ich von meiner Peergroup, meinen Freunden gesehen, beachtet, einfach wahrgenommen werden.

Auch als Erwachsener im Berufsleben möchte ich von meinem Chef oder meinen Kollegen wahrgenommen werden. Manche geben das nur ungern zu, aber ich denke, dass wir das alle fühlen, wenn es mal fehlt. Wenn man sich wochenlang für eine Projekt den A…. aufgerissen hat, um dann nicht mal ein „Das haben Sie wirklich toll gemacht. Ich möchte gar nicht wissen, wieviel Anstrengung dieses Projekt sie gekostet hat. Damit haben Sie uns alle vorwärts gebracht.“ zu hören.

Und als Lehrer bin ich nicht nur Unterrichtender, sondern auch so etwas wie Chef. Ich habe Schüler vor mir, die wahrgenommen werden wollen. Die zu Hause vielleicht viel allein sind und dann ihr Bedürfnis nach „Wahrgenommen werden“ sehr vehement, leider manchmal durch störendes Verhalten gegenüber mir oder Mitschülern versuchen zu befriedigen. Diese Schüler einfach nur zu bestrafen auszuschließen, führt daher oftmals nicht zum langfristigen Erfolg. Diese Schüler benötigen eine Aufgabe durch die sie als Person wahrgenommen werden. Das Gefühl haben, das sie als Person eine positive Bedeutung haben.

Die guten und braven Schüler haben natürlich auch ein entsprechendes „wahrgenommen werden“ verdient. Das Sprichwort „Nicht geschimpft, ist genug gelobt!“ sollte gerade bei diesen Schülern keinesfalls gelten. Denn wenn Kinder nicht wahrgenommen werden, sich abseits fühlen, suchen sie sich andere Gruppen in denen sie dieses so drängende Bedürfnis befriedigt glauben.