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Ich wusste, dass ich recht hatte!

(Heißt es eigentlich „Recht haben“ oder „recht haben“ – ich werde mich an die Rechtschreibreform genauso wenig gewöhnen, wie an diese vermaledeite (Und wie schreibt sich das eigentlich; darf ich jetzt einfach nach Gehör schreiben?) vereinfachte Ausgangsschrift.)

Was ich eigentlich schreiben wollte: Heute steht im Panorama-Teil der SZ ein Artikel über eine Lehrerfortbildung von Günther Grass, da seine Novelle „Im Krebsgang“ im kommenden Jahr im Abitur in Schleswig-Holstein drankommen kann. Er selbst hat wohl kriegbedingt kein Abitur machen können.

Wichtigstes Zitat:

„Ich habe immer Mitleid mit Schülern gehabt“, sagt der Autor. Und er hoffe, dass die heutigen Lehrer wissen, dass „es nicht die einizig richtige Interpretation eines Textes gibt“. Sondern Tausende. Jeder Interpretationsversuch eines Lehrers verführe die Schüler zum Opportunismus, dazu, sich den Ideen des Lehrers anzuschließen, anstatt eigene zu finden.

Gut, ich habe nie die Meinung meines Lehrers geteilt, was die Interpretation eines Textes anbelangte. Meist fand ich die Interpretation total überzogen und nicht nachvollziehbar. Nicht, dass ich großartig neue Interpretationen gefunden hätte. Aber manchmal habe ich so gedacht (und blöderweise auch so im Unterricht kommuniziert), dass der Autor einfach nur diesen oder jeden Aspekt des Lebens darstellen und das ganze in eine spannenden, fesselnde oder auch mal bewusst langweilige Geschichte packen wollte.

Mein Lehrer hat dann immer nur mit der Sekundärliteratur gewedelt und dann kam sein Argument: Du Schüler, ich Lehrer – du „Keine Ahnung“ und ich „Sekundärliteratur und Studium“. Und fertig war die nächste schlechte Note.

So habe ich quasi die späte Genugtuung, dass ich doch auch Recht hatte – zumindest interpretiere ich den Artikel so. Aber ich bin ja in der Beziehung auch „nur Schüler“.

3 Kommentare

  1. Und woher nimmst du jetzt die Sicherheit, dass du recht gehabt hast? Weil ein alter Mann das bestätigt? Ich halte Grass nicht für eine nennenswerte Autorität.

    In dem Fall teile ich eure Meinung allerdings. 🙂
    Vielleicht gibt es schlechte Deutschlehrer, die auf ihrer – angelesenen – Interpretation bestehen, wahrscheinlich sogar. Aber ich hoffe inbrünstig, dass die meisten das anders sehen.

    Nur: Ich bin mir nicht sicher, dass das bei Schülern so ankommt. Es gibt zwei legitime Möglichkeiten: 1. Jede Interpretation ist gleichwertig. Denkbar. Dann braucht man darüber aber nicht zu reden. Oder 2. man wertet: Manche Interpretationen sind besser als andere, oder besser begründet. Dann kann man darüber reden und Interpretationen in Prüfungen verlangen und bewerten. Hoffentlich akzeptiert jeder Deutschlehrer jede gut begründete Interpretation.

    Aber was kommt bei Schülern an? Dass der Lehrer ihre Interpretation nicht mag und dass er sie deshalb schlecht bewertet. Können Schüler soweit differenzieren, dass sie andere Gründe für eine schlechte Bewertung ihrer Interpretation akzeptieren als den, dass das beim Lehrer so nicht in der Sekundärliteratur steht?

    • Weil ein alter Mann das bestätigt? Ich halte Grass nicht für eine nennenswerte Autorität.

      Na ja, der alte Mann hat immerhin a) den Nobelpreis bekommen und b) schreibt er ja nun selber. Und wenn schon ein Autor sagt, dass es für (wahrscheinlich auch seine) Bücher/Geschichten unterschiedliche Interpretationen gibt, dann glaube ich ihm das einfach mal.

      • Was die Autoren alles über ihre Bücher sagen. „Ich habe einen spannend, lustigen Roman geschrieben.“ Das kann so was von die Absicht des Autors gewesen sein, und das kann gerne *seine* Interpretation seines Werkes sein – aber das ist nicht im mindesten privilegiert gegenüber anderen Meinungen. Der Autor hat nicht per se irgendeine Autorität, sein Werk zu deuten. (Der Lehrer auch nicht, klar.)

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