Jan-Martin Klinge und Maik Riecken diskutieren auf ihren Blogs darüber, ob und wie Informatikunterricht sinnvoll ist. Ich halte das für einen guten Grund mal selber darüber nachzudenken, warum ich Informatik unterrichte und so auch meine Schwerpunkte im Unterricht vielleicht ein wenig geschickter oder deutlicher zu setzen.

Informatik macht Spaß

Informatik Programmieren macht Spaß

Programmieren macht kann Spaß machen

Ein funktionierendes Programm macht glücklich. Egal wie groß, egal wie anspruchsvoll. Wenn ich auf einen Button klicken kann und etwas passiert, muss ich innerlich grinsen. Wenn ich eine Turtle durch die Gegend laufe lasse und Bilder zeichnen lasse, finde ich es schön. Wenn Karol den Boden eines beliebig großen Raums auslegt, fühle ich stolz. Das war und ist nicht nur bei mir so. Auch meinen Schülern sehe diese Zufriedenheit, Glück, Stolz oft an. Egal, ob in der 7. Klasse oder in der Oberstufe.

Natürlich kann man auch in anderen Fächern so etwas erleben. Aber der große Unterschied zu anderen Fächern ist, dass man das Endprodukt immer wieder verwenden kann. Eine Zeichnung oder Bild ist zwar auch kreativ entstanden, aber wenn es fertig ist, ist es fertig. Wenn ich in Deutsch einen Aufsatz geschrieben haben, dann stellt zwar auch zunächst Freude und Stolz möglicherweise ein, aber durch das nochmalige Lesen ist die Freude oftmals nicht mehr so groß. Eher schlägt es ins Gegenteil: Man findet Fehler und fängt an zu verbessern.

Natürlich nutzen sich auch selbst programmierte Programme im Laufe der Zeit ab. Aber ich erlebe es immer wieder, wie 12-Klässler Karol-Programme aus der 7. Klasse wieder öffnen und sich freuen und auch stolz sind auf das, was sie damals geleistet habe.

In Informatik lernt man was fürs Leben

In anderen Fächern natürlich auch, aber in Informatik ist es was anderes. Bei uns ist das Problem, dass sich die Geräte, Computer-Sprachen und Abläufe teilweise sehr schnell ändern. Ich muss also den Schülern eigentlich erklären, welche Gemeinsamkeiten es gibt. Wie und wo man sie findet und was man damit machen kann. Nur so sind die Schüler in der Lage später im Beruf oder in der Uni effizient zu arbeiten.

Ein Beispiel aus der 6. Klasse: Die Schüler sollen Textverarbeitung lernen. Das Standardprogramm ist im schlimmsten Fall Word, welches sich regelmäßig vom Aussehen ändert. Hier zu erklären „Du musst erst dahin klicken und dann dahin.“ bringt langfristig nichts. Wichtiger ist, sich zu überlegen, aus welchen Elementen ein Textdokument besteht: Seite, Absätze, Zeichen. Und wie sich die Eigenschaften dieser Objekte ändern lassen: „Erst muss das Objekt ggf. ausgewählt werden und dann kann über ein Menu oder die rechte Maustaste die Eigenschaft mit Hilfe von Methoden verändert werden.“

Dieser Ansatz klappt in vielen Programmen – nur, dass die Menüs vielleicht woanders liegen. Und nicht nur in Textverarbeitungsprogrammen funktioniert das. Genauso in EOS, Java, den Dateien auf dem Computer allgemein.

Aber nicht nur das Benutzen von Programmen lernt man. So richtig fachübergreifend wird es beim Thema Projektmanagement: Hier geht es um das Zerlegen einer großen Aufgabe in viele kleine und wie man diese in einem Team bearbeitet, so dass am Ende etwas brauchbares herauskommt. Eine Fähigkeit, die jeder Mensch irgendwann mal braucht: Beim Party planen, beim Hausbau, beim Planen des Urlaubs oder Umzugs,…

Ich bevorzuge dabei seit Jahren den Ansatz des Agilen Projektmanagements, das sich für mich so zusammenfassen lässt:

Beim Agilen Projektmanagement wird das Projekt zunächst in möglichst kleine unabhängige Teile zerlegt. Jedes Teammitglied darf sich dann ein Teil herauspicken und bearbeiten. Dann darf etwas neues gewählt werden. Einen Projektleiter gibt es nicht. Aber es gibt einen Ansprechpartner, der bei auftretenden Problemen hilft.

Das trifft jetzt nicht ganz das Agile Projektmanagement, funktioniert dafür aber auch bei der Partyplanung. Und das ist ja auch wichtig.

Nichts ist so, wie es scheint

Spätestens bei Tabellenkalkulationen kann man die Schüler auf das MVC-Entwurfsmuster aufmerksam machen. Denn das, was die Zellen zeigen, ist nicht immer das, was in den Zellen als Wert steht. Bei den Datenbanken ist das ebenso: Es gibt Daten und eine Ansicht der Daten, die als SQL-Statements formuliert und vor allem manipuliert werden. Was im Übrigen auch bei Nachrichten ist oder so sein kann.

Und bei den Schüler ist das ebenso: Das eine ist, wie man sich nach außen gibt und etwas ganz anderes, wie man sich innerlich fühlt.

Welche übergreifende Ziele seht ihr noch in der Informatik?