Wie ich schon darstellte, lese ich mehrheitlich Fachbücher. Wobei ich „Fachbuch“ sehr weit sehe. Alles, was ich irgendwie im Unterricht einsetzen könnte, kommt für ich als potentielle (oder „potenzielle“?) Lektüre in Frage. So auch das Buch „Herrn Knigge gefällt das!“ von Max Scharnigg.

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Was ich mir erhofft hatte

Aufgrund der Aufmachung und des Klappentextes, ich habe das Buch tatsächlich einfach mal in einem Buchladen gekauft ohne vorher Kritiken im Internet zu lesen, hatte ich erwartet, dass hier ein gesellschaftlich korrekter Umgang mit dem Handy mehr oder weniger witzig an schönen Situationen dargestellt wird.

Was ich gefunden habe

Gefunden habe ich leider etwas anderes. Die Kapitel sind in der Regel 2-3 Seiten lang und geben wieder, was der Autor sich beim Betrachten verschiedener Situationen in denen das Handy Smartphone eine Rolle spielt wohl gedacht hat.

Beispielsweise beim Betrachten der morgendlichen Mit-Straßenbahnfahrer. Jeder schaut autistisch auf sein Handy, schreibt WhatsApp, spielt oder liest. Früher war das anders – vielleicht sogar besser. Denn da hat jeder in sein Buch geschaut oder versucht Zeitung zu lesen. Allein durch den Versuch die Zeitung umzublättern, kam es dabei schon zur Kommunikation.  Denn eine Zeitungsecke im Auge will keiner haben.

Seine Gedanken für das richtige Fotografieren des eigenen Essens im Restaurant halte ich zwar für richtig („schnell, unauffällig, ohne andere zu stören“), aber selbstverständlich. Gut, das kann jetzt zwar an mir liegen, aber irgendwie hatte ich mir mehr erwartet.

Was ich nicht gefunden habe

Daniel Pennac schrieb mal so schön über die Rechte des Lesers:

Der Leser hat das Recht „Ein Buch nicht zu Ende zu lesen.“ und „(…) Seiten zu überspringen.“

Und das habe ich getan. Damit laufe ich natürlich Gefahr dann doch den ein oder anderen interessanten Absatz zu übersehen, aber das Risiko gehe ich ein. Ich denke nicht, dass ich so viel verpassen werde. Und wenn, dann weiß ich es ja nicht.

Jetzt aber zum eigentlichen Punkt. Was mir  in dem Buch fehlt, ist der Vergleich mit dem „echten Knigge“. Wie ist das zum Beispiel mit dem Small-Talk. Der alte Knigge schreibt da:

Bieten Sie dem Gast einen Platz und etwas zu trinken an (bei längerer Wartezeit auch etwas zu lesen) und starten Sie eine Konversation.

Schön wäre da die Ergänzung:

…und lassen Sie das Handy in der Tasche – auch wenn es neue Nachrichten meldet.

Eine entsprechende Situation schön und überspitzt dargestellt, hätte dem Buch sicher gut getan.

Auch ein Vergleich zwischen den Kulturen wäre spannend gewesen. Wie sieht es in den USA , wie in Japan aus? Aber das wäre vielleicht wieder über das Ziel des Buchs hinausgegangen.

Fazit

Ein Buch, das man nicht wirklich gelesen haben muss, das man aber gut verschenken kann. Und aufgrund der kurzen Kapitel eignet es sich prima als Bettlektüre und man nur kurz noch was lesen möchte.