Lehrzeit

Schule & Informatik

Monat: September 2011 (Seite 2 von 3)

Gruppenbildung

Anschließend an den ersten Eintrag noch ein zweiter Gedanke: Wie kann man eigentlich Schüler gut in Gruppen einteilen? Jedes Jahr steht man als Lehrer in Bayern vor dem Problem, die Klasse für die Intensivierungsstunde in zwei Gruppen einteilen zu müssen, damit dann mit der halben Klasse intensiv Mathematik, Deutsch oder Englisch geübt werden kann. Dabei bleibt die Gruppeneinteilung dabei immer gleich, da der Stundenplanersteller sonst vor einem unlösbaren Problem steht. Denn hat die eine Gruppe Deutschintesivierung hat die Parallelgruppe Mathematik. Danach hat dann die erste Englisch und die zweite Gruppe Deutsch. Man kann also nicht Jungs und Mädchen für Mathe trennen und für Deutsch wieder mischen.

Hier ein paar erste Vorschläge. Vielleicht hat noch jemand andere Vorschläge?

  1. Nach Geschlecht.
  2. Nach Leistungsstärke – dann könnte man den schwächeren Schülern wirklich mal in Ruhe helfen. Auf der anderen Seite soll dann die Leistungsschere weiter auseinander gehen. Aber wäre das wirklich so schlimm? Wir sind nicht alle gleich. Das Problem wäre nur, wenn jemand schlecht in Mathe ist, ist er wahrscheinlich nicht schlecht in einer Fremdsprache. Die Gruppenzugehörigkeit muss ja aufrecht gehalten werden.
  3. Die Sitzordnung nach links und rechts aufteilen
  4. Nach Geburtsmonat
  5. Nach Liste alphabetisch
  6. Nach Augenfarbe – alle braunäugigen und der Rest (habe ich aber noch nicht probiert)
  7. Alle die mit Füller schreiben und andere
  8. Durchzählen lassen: 1-2-1-2-1-…

Wer hat noch eine erfolgreiche Methode?

Geschlechtertrennung?

Heute stand in der Süddeutschen Zeitung, dass in der Zeitschrift Science am heutigen Freitag folgendes veröffentlicht wird:

Die Pseudowissenschaft der Monoedukation

Wir glauben, dass die nach Geschlechtern getrennte Erziehung schwer verfehlt ist, und häufig durch schwache, selektive oder missgedeutete wissenschaftliche Behauptungen gerechtfertigt wird.

(Süeddeutsche Zeitung, 23.9.2011)

Der Titel im Science-Magazin wird dann wie folgt bewertet:

(…) titelt das Blatt ungewöhnlich deutlich – so als ginge es um Homöopathie und Esoterik.

Das war dann der Moment in dem ich schlucken musste. Wer von beidem soll denn jetzt abgewertet durch den Kommentar?  Homöopathie und Esoterik oder die Monoedukation. Wenn ich bedenke, wie sehr die Homöopathie in unserem Bekanntenkreis eingesetzt wird…. Kein Sommerausflug ohne das nicht mindestens Apis (wegen möglicher Bienen- und Wespenstichen) und Arnica (wegen der möglichen Verletzungen) mit dabei sind. Rescue-Tropfen nach Bach und diverse andere Utensilien kann man auch ruhig mal mitnehmen. Da uns Lehrern verboten ist Medizin zu verabreichen, dürfen wir auch keine Homöopathie verabreichen. Ist Homöopathie als nun echte Medizin oder nicht?

Esoterik, was immer genau damit jetzt gemeint war, hat sich zwar noch nicht so verbreitet. Aber genau genommen, ist zum Beispiel die Meditation auch nur eine Form der Esoterik. Man sitzt da und beobachtet seine Gedanken. Sonst machte man „nichts“. Nicht, dass ich das nicht auch schon zur Stressprovilaxe versucht hätte. Aber dieses „nichts“ tun hat mich so nervös gemacht, dass ich lieber laufen gehe. Wenn ich schnell genug bin, holen mich meine Gedanken erst gar nicht ein.

Warum wird jetzt Monoedukation mit Homöopathie und Esoterik in einen Topf geworfen? Ist für den Autor Monoedukation auch nur eine weitere Variante der schwarzen Magie bzw. wohl besser schwarzen Pädagogik?

Manchmal kommt es mir zumindest auch so vor. Man studiert jahrelang, macht ein aufreibendes Referendariat und mit das Erste was man dann als Junglehrer zu hören bekommt ist: „Jetzt können Sie erst einmal alles wieder vergessen. Das bringt im Alltag eh nichts.“ Und oftmals stimmt es. Viele Theorien und Praxisvorschläge lassen sich nicht umsetzen. Die Klassen sind zu groß, zu gut, zu schlecht. Die Räume sind zu groß, zu klein, zu dunkel, zu hell, zu laut und vor allem nie richtig ausgestattet. Wie soll man da die großen Ideen der Pädagikprofessoren und Seminarlehrer umsetzen?

Dennoch habe ich Kollegen, jung wie alt, die einen äußerst erfolgreichen und sowohl bei Schülern als auch Eltern und Kollegen beliebten und anerkannten Unterricht gestalten. Sie lesen keine großartigen Bücher über Pädagogik, Didaktik oder sonst etwas. Sondern machen sich so ihre eigenen Gedanken. Es scheint fast so, als ob man zum Lehrersein ausgewählt sein muss. Genauso, wie man in manchen Urvölkern zum Schamanen ausgewählt sein muss.

Bilingualer Unterricht

Wir haben eine sehr gute Schule. Es wird neben denn üblichen Fächerverbindungen und Zweigen, wie dem naturwissenschaftlichen Zweig und wirtschaftlichen Zweig, auch noch andere Zweige und Konstellationen angeboten. Bei uns können zum Beispiel die Schüler drei moderne Fremdsprachen lernen: Englisch, damit beginnt es bei uns immer. Französisch oder Latein. Und später dann auch Spanisch. Wer Lust hat, kann sogar als AG Chinesisch belegen. Wobei manchem Schüler wahrscheinlich schondas Fach Mathematik als Chinesisch vorkommt.

Ein begabter und fleißiger Schüler kann damit auf VIER Fremdsprachen bei uns kommen: Englisch, Französisch, Spanisch und Chinesisch. Wenn man damit nicht global ausgestattet ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

Da eine Sprache aber nicht so viel bringt, wenn man sie nicht auch außerhalb des Framdsprachenunterrichts benutzt, gibt es bei uns jetzt bilingualen Unterricht. In dem Fall Geographie auf Englisch unterrichtet. Englisch bietet sich natürlich an, da hier schon am meisten Basiswissen vorliegt und man sich auf die englischen Fachbegegriffe konzentrieren kann. Die Schülern lernen auf Englisch zu diskutieren, Referate zu halten Aufsätze zu formulieren. Eine tolle Sache!

Nur, was macht man als Schüler, der vielleicht mit einem Fünfer in Englisch gerade so weitergekommen ist, und nun fremde Inhalte in einer für ihn fremdem Fremdsprache lernen soll. Soll er nun sich auf Geographie stürzen oder Englisch oder beides. Wenn er vielleicht vorher schon nur wenig Vokabeln gelernt hat, dann sollte er sich doch eigentlich auf die neuen Englischvokabeln konzentrieren und nicht auch noch das zusätzlich Fachvokabular. Oder hat er das Fach gewählt, weil im Geographie so viel Spaß macht und ihn das weiter motiviert – unwahrscheinlich. Die meisten Schüler zu meiner Zeit (80er Jahre) fanden Erdkunde, so hieß das damals, langweilig. Denn wenn interessiert schon der Getreideanbau in der damaligen Sowjetunion?

Ich vermute ja, dass die Schüler mehrheitlich aus einem Elternwunsch heraus diese Unterrichtsform gewählt haben. Das kann natürlich ins Auge gehen. Denn wer weiß schon immer so genau, wie das eigene Kind sich bei etwas Neuem verhalten wird. Auch ich bin in bei der Entscheidung Latein oder Französisch arg ins Schleudern geraten. Und ich nicht nur mein eigenes Kind, sondern auch Schule aus der internen Sicht. Ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben, weiß ich immer noch nicht. Das wird sich irgendwann mal zeigen. Und auch für die Kinder im bilingualen Unterricht wird sich irgendwann zeigen, ob der Einsatz nicht doch zu hoch war.

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