Lehrzeit

Schule & Informatik

Kategorie: Medienpädagogik (Seite 1 von 11)

OpenProject

Es gibt wahrscheinlich zwei Gründe, warum man vielleicht Lehrer wird:

  1. Man liebt das Fach
  2. Man „unterrichtet“ gerne

Bei den meisten Lehrern kommt natürlich beides vor. Mal im Verhältnis 60:40, mal 30:70 oder sogar 50:50.

Bei mir hängt es von der Tagesform oder dem Thema ab. In der Regel finde ich die Informatik inhaltlich spannend. Ganz besonders die 12. Klasse mit ihrer Theorie über Sprachen, Automaten und Netzwerken. In der 10. Klasse empfinde ich es als Herausforderung mir einen Zugang zum Programmieren zu überlegen, so dass jeder etwas für sich mitnimmt. Aktuell wäre das der Versuch über Processing. Und das läuft, denke ich, bisher ganz gut an.

Beim zweiten Punkt denke ich vor allem an meine P-Seminare, aber auch an andere und vor allem untere Jahrgangsstufen. Denn für mich geht es beim Unterrichten nicht nur um das Inhaltliche. Je nach Alter versuche ich, dass die Kinder sich in ihrem Charakter Denken Persönlichkeit weiterentwickeln. Das sie sich ausprobieren, an ihre Grenzen, aber auch darüber hinaus kommen. Sie sollen das Gefühl bekommen, dass mehr in ihnen steckt als nur vorgekautes Wissen zu reproduzieren. Das man dabei nicht alle 30 Schülern einer Klasse erreicht, sollte jedem klar sein. Aber das wäre auch der falsche Anspruch.

Aber woher weiß man dann, dass die eigenen Bemühungen vielleicht etwas dazu beigetragen haben, dass die Schüler nach der Schule das tun, was gut für sie ist? Man müsste ja die Schüler NACH der Schulzeit, im Studium oder Beruf erwischen und fragen. Das passiert ja leider zu selten. Manchmal treffe ich zwar einen ehemaligen Schüler im Zug und bin dann ganz erstaunt, wenn der oder diejenige zum Beispiel vom Mathematik-Studium zu einer Ausbildung als Altenpfleger gewechselt ist. Aber in der Regel erfahre ich nichts vom späteren Werdegang.

In meinem aktuellen Fall musste ich mich nun aber gar nicht bemühen und meine ehemaligen Schüler lange suchen, denn sie kommen in diesem Fall wieder von alleine zurück!

OpenProject

Ehemalige Schüler unserer Schule waren es wohl Leid, dass Lehrer nichts im Informatikunterricht unterrichten dürfen, was wirklich Spaß macht:

  • Virtual Reality
  • Spiele programmieren mit Unity
  • Bloggen
  • 3D-Drucken
  • 2D/3D-Design, Animation
  • Hardware (Computer und Netzwerke aufbauen)

Nachdem sie wohl schon seit Jahren zusammen programmieren und auch während ihres Studiums sich noch regelmäßig treffen, kamen sie auf die Idee, ihr Wissen an interessierte Schüler ihrer ehemaligen Schule weiterzugeben. Hierzu gründeten sie die Gruppe Open Project und bieten nun mehr oder weniger regelmäßig, das wird sich noch zeigen, Veranstaltungen zu den oben genannten Themen an. Die Gruppe besteht dabei nicht nur aus InformatikstudentInnen. Auch angehende DesignstudentInnne oder FilmemacherInnen sind mit dabei.

Die Ehemaligen brauchten nur das Okay meines Chefs und natürlich einen Lehrer, der sie dabei unterstützt in dem Räume aufgesperrt werden, mal spontan Software installiert wird oder ein fehlendes Kabel geholt wird. Letzteres ist nun meine Aufgabe. Und ich mache sie gerne (siehe Punkt 2 oben).

Ein wirklich tolles Projekt und ich hoffe, dass es sich zu einer regelmäßigen Veranstaltung entwickelt. Dazu müssen dann natürlich spätere weitere Schüler hinzukommen oder vielleicht findet sich ja der ein oder andere Elternteil, der auch mal was von seinem Wissen und seiner Begeisterung weitergeben möchte. Natürlich nur nach Rücksprache mit den Gründungsmitgliedern der Gruppe OpenProject.

Stolz und Glück

Lange habe ich über den Namen des Beitrags nachgedacht – darf man als Lehrer überhaupt Stolz auf die Leistung der Schüler sein, ist das nicht ein wenig, sagen wir, narzisstisch?

Und Glück? Darf man als Lehrer glücklich sein? Ich denke, glücklich sein ist wohl drin, denn auch Lehrer sind Menschen. Und wenn man länger mit Schülern an einem Projekt zusammenarbeitet, dann wachsen die Schüler einem irgendwie ans Herz. Weil man mit ihnen durch die Probleme geht. Sieht, wie sie zunächst scheitern, um dann später daran zu wachsen. Weil man erlebt, wie sie Dinge tun, die man ihnen zunächst nicht zugetraut hat – man kannte sie noch gar nicht. Und im Laufe der Monate und durch viele Gespräche zwischen Tür und Angel, per Email, im Unterrichtsraum entsteht eine Verbindung, die einen Stolz auf das macht, was die Schüler geleistet haben. In meinem Fall spreche in von dem P-Seminar „Kurzfilm“, welches noch bis zum Ende von 12/1 läuft.

Für die Nicht-Bayern kurz zur Erklärung: Im noch existierenden G8 in Bayern sollen die Schüler im Zeitraum von 11/1 bis einschließlich 12/1 an einem Projekt arbeiten, daher auch P-Seminar, durch welches die Schüler zum einen Erfahrung mit Projektarbeit machen und zum anderen sich über ihren weiteren Werdegang klar werden. Schön ist es, wenn das Projekt mit externen Firmen abläuft, aber wichtig ist es in meinen Augen nicht. Mir geht es vor allem darum, dass die Schüler einfach mal so richtig lange an ein und derselben Sachen aktiv dran bleiben und zum Abschluss das Projektergebnis der Öffentlichkeit, und wenn es nur die Mitschüler sind, präsentieren.

Der Start

Bei diesem P-Seminar lief jetzt aber manches so, wie ich es bisher nicht gekannt habe. Das geht mit dem Startschuss los. Eigentlich wollte ich zum Schuljahr 2016/17 gar kein P-Seminar anbieten. Da aber unsere Kunstlehrerin, die ein P-Seminar angeboten hatte, die Schule wechselte, bot ich mich als Ersatz an. Da ich die Schüler, die sich vielleicht schon für das Kunst P-Seminar entschieden hatten nicht enttäuschen wollte, und ich zu dem Zeitpunkt viel über die Struktur von Filmen gelesen hatte, kam ich auf das Thema „Kurzfilme“.

Der Zufall spielte mir dann in die Hand, dass der Energie-Solar-Verein Pfaffenhofen seine Ausstellung zum Thema „Energie“ digitalisieren wollte und uns Gelder über das Jugendparlaments Pfaffenhofen zur Verfügung stellen konnte. Glücklicherweise konnte ich meine Schüler davon überzeugen sich diese Chance nicht entgehen zu lassen. Hatte ich doch bei meinem P-Seminar „3D-Druck“ gemerkt, wie schwierig es ist an Spendengelder zu kommen.

Der Ablauf

Nach dem Startschuss entwickelte sich dann eine Eigendynamik, die ich so bislang kaum kannte. Die „kreativen“ Schüler bildeten Gruppen und fingen recht selbstständig an Ideen für erläuternde Filme zu entwickeln, Drehbücher zu schreiben und Drehorte zu recherchieren. Mit Hilfe professioneller Ausrüstung von Utopia aus Pfaffenhofen, teilweise mit eigenen Kameras wurden die Wochenenden geopfert, um Filme zu drehen oder  Animationsfilme am Computer zu zeichnen. Ausrüstung aus dem Verwandtenkreis wurde organisiert und Väter wurden als Sprechern verpflichtet. Abschließend wurde das Rohmaterial teilweise mit Schullaptops geschnitten und vertont oder die heimischen PCs wurden bis an ihre Leistungsgrenze hin zum Rendern gezwungen.

Die Gruppe der Informatiker teilte sich parallel zur Künstlergruppe ebenfalls auf. Je nach Können und Lust wurde auf der einen Seite  eine Endgeräte unabhängige Internetseite entwickelt, wofür eine eigene Navigation entwickelt wurde und die Materialien des ESV aufbereitet wurden. Auf der Hardware-Seite wurde nach Monitoren, Tablets und mobilen Ständern für diese Monitor recherchiert und diese aufgebaut und konfiguriert und vor allem viel getestet.

Das Ergebnis

Das Endprodukt, die Internetseite ausstellung.esv-paf.de,  wurde nun endlich am vergangenen Donnerstag bei unserem Auftraggeber aufgebaut. Sogar die Presse kam und zusammen mit dem Geldgebern vom Jugendparlament Pfaffenhofen stellten wir uns noch kurz für ein Bild zusammen

Was soll ich sagen: Ich bin stolz auf das, was meine Schüler geleistet haben! Und das können meine Schüler ebenfalls sein!

Und wenn ich auch noch gesund gewesen wäre, hätte man es mir vielleicht auf dem Foto auch angesehen. Aber mein Körper war der Meinung, dass er gleich mal die erste Erkältungswelle mitnehmen muss.

Feedback in der Schule

Ein Thema, welches mich seid ein paar Tagen umtreibt, ist Feedback. Warum? Weil es gewünscht wird. Von Schülern, von den Eltern der Schüler, von (Un)Bekannten, von Freunden, von Kollegen. Auch ich fordere wünsche es mir, wenn ich mal wieder Zeichnungen zeige oder ein neues Rezept ausprobiert habe oder einen neuen Kurs belege.

Aber warum? Warum fordert oder wünscht man sich Feedback? Und warum kann man es von manchen Menschen besser annehmen und von anderen nicht? Warum glaubt man die Rückmeldung bei manchen und manchmal will man es nur von bestimmten Personen bekommen?

Ich versuche mal meinen Gedanken dazu hier zu formulieren und hoffe dann auch wiederum auf Feedback. Den Schwerpunkt möchte ich dabei auf die Schule legen, da es privat dann doch vielleicht komplexer ist… vielleicht aber auch nicht, das kann jeder selbst entscheiden. Zunächst aber die Frage:

Warum überhaupt Feedback?

Menschen haben neben den biologischen Handlungsmotiven (Hunger, Durst,..) auch zwei andere Motive: Selbstwirksamkeit (nach Bandura) bzw. Selbstbestimmung und  die Zugehörigkeit.

„Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann,
so ist es der Glaube an die eigene Kraft.“

(Marie von Ebner-Eschenbach).

Im ersten Fall möchte man erleben, dass man etwas bewirken kann, etwas meistern. Man möchte sich der Umwelt nicht ausgeliefert fühlen, möchte kompetent sein. Ein Grund, warum Computerspiele funktionieren. Die Spielfigur, die ich steuere, kann etwas in der Spielumgebung bewirken. Und sie kann wachsen und sich entwickeln und größer und stärker werden. Oder beim Sport: Erst ist man in der Anfängergruppe, dann Fortgeschrittener und dann darf man endlich in die Mannschaft.

Womit wir durch „die Mannschaft“ schon beim zweiten Punkt sind: Zugehörigkeit. Niemand möchte wirklich alleine sein. Denn nur durch das Zusammensein fühlen wir uns nicht nur geborgen und sozusagen „in der Herde beschützt“. Erst durch das Zusammensein mit anderen machen unsere erworbenen Kompetenzen Sinn. In der Regel ist niemand zufrieden und glücklich, wenn er zwar etwas kann, aber niemandem dies zeigen kann. Wir suchen die anderen, die uns sagen und zeigen: „Ja, das machst du wirklich gut.“ Erst in dem Zusammensein mit anderen weiß ich Wo ich stehe. Ich brauche Referenzpunkte. Ein Boot auf dem Ozean ohne Referenzen ist heillos verloren, da der Kapitän mangels Orientierung nicht weiß wohin.

Und auch dieses Bedürfnis greifen viele Computerspiele auf: Man sitzt zusammen vor den Spiele-Konsolen oder spielt online in Gilden und Gruppen zusammen oder trifft sich sogar real zu einem Raid beim PokemonGO spielen. Im letzten Fall kann ich in direktem Kontakt spüren und erleben, was ich kann, was nicht, kann Selbstwirksamkeit spüren, kann mich in der Gruppe verorten und meinen Platz finden. Und mich anstacheln lassen besser zu werden.

Was der Spieler in diesem letzten Fall erlebt, ist in meinen Augen Feedback: Er bekommt

  1. eine Information über seine Wirksamkeit, seine Kompetenz, seine Fähigkeiten
  2. von einer anderer Person, von der Umgebung.

Im Idealfall entsteht ein Kreislauf.

Menschen möchten in meinen Augen ein Feedback, das ihnen Selbstwirksamkeit zeigt und ein Gefühl der Zugehörigkeit gibt.

Ganz so einfach ist es dann doch nicht

„Aber in der Schule bekommt man doch Feedback…. Noten“, ist dann vielleicht ein typische Lehrerantwort. Und irgendwie stimmt diese Aussage ja auch, aber dennoch sind Noten nicht nur Feedback, denn zumindest in meinen Augen fehlen ein paar wichtige Aspekte, damit Schüler Noten als Feedback erleben.

  1. Zusammenhang mit Fähigkeit
    Die Noten muss nicht zwingend eine Aussage über die Fähigkeiten eines Schülers machen: Vielleicht hatte er nur abgeschrieben oder einfach Glück gehabt, weil er genau den Bruchteil des Stoffs konnte, der dran kam.
  2. Emotionale Bindung zum Geber
    Die Note kommt von einer Person, die dem Schüler nichts bedeutet oder anders: der Feedbackgeber ist für den Empfänger emotional irrelevant. Im obigen Beispiel der PokemonGO-Gruppe würde das bedeuten, dass der Spieler eigentlich nicht zur Gruppe gehören will, eine Rückmeldung von dieser Gruppe wäre für ihn also ohne Bedeutung.
  3. Kompetenz des Gebers
    Kommt die Rückmeldung von einer Person, die mir nicht kompetent erscheint, bedeutet mir die Rückmeldung nichts. Ist der Spieler der Gruppe, der mir das Feedback gibt, schwächer als ich, so kann er mir tausendmal sagen, dass ich das toll mache. Es würde mir nicht so viel bedeuten, wie von einem erfahrenene Spieler auf einem höheren Level.

Welche Konsequenzen hätte das nun für den Schulalltag?

Am Einfachsten lässt sich in meinen Augen der dritte Punkt erledigen. Denn zumindest wir Lehrer haben das Fach, welches wir unterrichten, alle studiert. Und mit entsprechender Unterrichtsvorbereitung (manchmal genügt auch jahrelange Erfahrung 😉 ) gelingt ein fachlich überzeugender und inhaltlich korrekter Unterricht.

Der zweite Punkt ist da schon schwieriger, wird aber durch viele Untersuchungen bestätigt: Lernen in emotional positiv aufgeladener Atmosphäre ist besonders  erfolgreich. Der Dreh- und Angelpunkt ist dabei in meinen Augen der Respekt. Wenn ich mein Gegenüber respektiere, als wertige Person schätze, kann er sich so wohl fühlen, dass er mein Feedback auch annehmen kann. Das ist in der Oberstufe manchmal leichter als in einer pubertierende Mittelstufeklasse, aber es geht. Wie ich mir das Grundkonzept dazu vorstelle, erkläre ich vielleicht später mal. Wer mehr dazu wissen möchte, kann erstmal hier weiterlesen.

Der erste Punkt ist nicht immer so einfach zu lösen, da ich als Lehrer wenig auf das Lernverhalten zu Hause einwirken kann. Daher nicht genau weiß, warum ein Schüler eine gute oder schlechte Note bekommen hat. Hier wäre vor allem eine regelmäßige und oft stattfindende Rückmeldung eine Möglichkeit Zufälligkeiten auszugleichen. Im Praxisalltag höre ich das (ich selbst bin ja nicht dabei) von Kollegen, die z.B. sehr regelmäßig kurze Lateinvokabeltests schreiben oder einmal die Woche eine Art Grundwissenstest über den Stoff der Unterrichtstunden in der vorangegangenen Woche in Mathematim schreiben. Auch Klassenzimmeraushänge über die Anzahl der gemachten Hausaufgaben von jeder Person habe ich schon gesehen. Ganz zu schweigen von den Ideen, die oft in Grundschule umgesetzt werden: Hier werden Smileys und Sadies gesammelt und um sie dann gegen Sonnen oder Spielzeug und Süßigkeiten zu tauschen – Gamification at its best.

Kurzes Fazit

Nochmal kurz zusammengefasst, wie erfolgreiches Feedback durch folgende Aspekte eventuell positiv beeinflusst werden kann:

  • Ich mache regelmäßig Noten, um so „zufällig“ gegebene gute bzw. schlechte Noten, die nichts mit den Fähigkeiten des Schülers zu tun haben, herauszumitteln. Die Zeitpunkt sind klar vorgegeben, um den Schülern in den anderen Zeiträumen auch Raum zu geben gefahrlos Fehler machen zu können.
  • Ich interessiere mich für das Leben der Schüler: was sie in ihrer Freizeit tun; beachte, wie sie sich anziehen; freue mich mit ihnen oder bin auch mal mit ihnen enttäuscht.
  • Ich bereite meinen Unterricht sauber vor. Und wenn ich etwas mal nicht weiß oder einen Fehler mache, dann zeige ich ihnen durch meine Reaktion, wie man kompetent damit umgeht.

Und noch etwas: Es gibt inzwischen ja recht viele Apps, die das Feedback geben vereinfachen sollen (learningsnacks, learningApps,..). Leider fehlt da in meinen Augen oftmals der Aspekt der Zugehörigkeit, weswegen ich diese Programme auch nur bedingt im Unterricht einsetze. Für mich ist der Aspekt der Zugehörigkeit einfach zu wichtig. Bessere Anwendungen wären da  Kahoot oder Plickers, denn hier wird wenigstens in der Gruppe agiert.

Linktipps:

  • Mehr zum Thema Feedback findet man z.B. bei stangl.eu .
  • Zum Thema Selbstwirksamkeit hier , wobei sich das vor allem auf den Sportunterricht bezieht.
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