Lehrzeit

Schule & Informatik

Kategorie: Unterricht (Seite 1 von 35)

Kommunikation

Wir Lehrer stehen den ganzen Tag vor einer Klasse, sprechen mit den Kollegen im Lehrerzimmer, diskutieren mit dem Chef oder tauschen uns mit Eltern aus. Eigentlich müssten wir Kommunikationsexperten sein. Wenn ich jetzt aber die vergangenen Wochen mit den diversen Fortbildungen zum Thema Kommunikation, aber auch Schulentwicklung, Revue passieren lasse, so muss ich feststellen, dass ich eigentlich keine Ahnung hatte.

Also, natürlich hatte ich schon Ahnung. Schließlich kam einiges davon im Studium vor. Nur ist man am Anfang des Lehrerdaseins so mit den Inhalten des Unterrichts beschäftigt (Jetzt muss ich das machen, dann das sagen und Hausaufgaben aufgeben), dass man nicht wirklich Zeit hat, sich über Kommunikation so richtig Gedanken zu machen, geschweige denn sie einfach mal gut anzuwenden. Es tat daher gut nochmal einiges davon wieder zu hören, aber auch praktisch auszuprobieren.

Damit ich nicht vergesse, was ich alles (wieder) kennengelernt habe, möchte ich einfach noch mal ein paar Dinge in der Reihenfolge, wie sie mir einfallen, hier auflisten:

  • Egal ob Feedbackgespräch, Problemgespräch oder Leitung einer Sitzung – ich bin in der Rolle des Gastgebers. Dieser Gedanke soll mich offen für den Gegenüber und seine Probleme und Ansichten machen.
  • Deutlich und klar Stellung beziehen. Viele von uns (Lehrern) wollen „gemocht“ werden. Egal ob von Schülern oder von Kollegen, wir wünschen uns, dass wir gemocht werden. Leider kommt aber dieses „Rumgeier“ gar nicht gut an: „Nicht das Sie mich jetzt falsch verstehen, aber so richtig gut war der Beginn Ihrer Stunde nicht.“ Hier kommt dann auch noch der Aspekt der Ich-Botschaft hinzu.
  • Ich-Botschaft: Eine Du-Botschaft wird nicht zur Ich-Botschaft, nur weil der Satz mit „Ich“ beginnt: „Ich finde, du bist stur.“ Stattdessen gibt es bestimmte Aspekte, die man erwähnen sollte:
      • Was habe ich beobachtet?
      • Was habe ich gefühlt?
      • Was hätte ich gerne?
      • (Einen Wunsch formulieren)
  • Botschaften haben mehrere, nämlich 4 Ebenen : Appel, Selbstoffenbarung, Inhalt- oder Sachebene, Beziehungsebene. Und das ist nicht nur beim Sender so, sondern auch beim Empfänger. Daher ist es gut, mal darüber nachzudenken mit wem man spricht. Denn auch wenn wir als Lehrer oftmals die Apell-Ebene domieren lassen. Bei Unterstufenschülern kann die Beziehungsebene viel größere Bedeutung haben. Viele Lehreraussagen werden dann zu einem „Der mag mich nicht.“ uminterpretiert. Und als sich mal wieder eines meiner Kinder über die zurückgegbene Prüfung aufregte, kam abschließend nur noch: „Und wie der/die sich anzieht! Das geht ja gar nicht. Und dann immer auf dem Pult sitzen und ein auf jugendlich machen.“
  • Das innere Team: Werde ich verbal angegriffen, so springt in mir entweder der Verteidiger oder der Angreifer an. Als Lehrer bin ich mal mehr Vater, mal Besserwisser oder General. Gehe ich bowlen, so bin ich mehr Kind. Alle diese Rollen sind in mir und bilden mein inneres Team. Und ich bin ihnen nicht nur ausgeliefert. Wenn ich mein Team kenne, so kann ich vielleicht auch im Unterricht mal mein Kind rausholen. Das äußerst sich dann bei mir so, dass ich, während die Schüler programmieren, ich vorne sitze, ebenfalls programmiere und das pfeife:

Im Übrigen hatte ich schon mal so eine Zusammenfassung unter meiner anderen Internetseite flow-learning.de geschrieben. Man sollte halt öfters mal lesen, was man früher geschrieben hat.

OpenProject

Es gibt wahrscheinlich zwei Gründe, warum man vielleicht Lehrer wird:

  1. Man liebt das Fach
  2. Man „unterrichtet“ gerne

Bei den meisten Lehrern kommt natürlich beides vor. Mal im Verhältnis 60:40, mal 30:70 oder sogar 50:50.

Bei mir hängt es von der Tagesform oder dem Thema ab. In der Regel finde ich die Informatik inhaltlich spannend. Ganz besonders die 12. Klasse mit ihrer Theorie über Sprachen, Automaten und Netzwerken. In der 10. Klasse empfinde ich es als Herausforderung mir einen Zugang zum Programmieren zu überlegen, so dass jeder etwas für sich mitnimmt. Aktuell wäre das der Versuch über Processing. Und das läuft, denke ich, bisher ganz gut an.

Beim zweiten Punkt denke ich vor allem an meine P-Seminare, aber auch an andere und vor allem untere Jahrgangsstufen. Denn für mich geht es beim Unterrichten nicht nur um das Inhaltliche. Je nach Alter versuche ich, dass die Kinder sich in ihrem Charakter Denken Persönlichkeit weiterentwickeln. Das sie sich ausprobieren, an ihre Grenzen, aber auch darüber hinaus kommen. Sie sollen das Gefühl bekommen, dass mehr in ihnen steckt als nur vorgekautes Wissen zu reproduzieren. Das man dabei nicht alle 30 Schülern einer Klasse erreicht, sollte jedem klar sein. Aber das wäre auch der falsche Anspruch.

Aber woher weiß man dann, dass die eigenen Bemühungen vielleicht etwas dazu beigetragen haben, dass die Schüler nach der Schule das tun, was gut für sie ist? Man müsste ja die Schüler NACH der Schulzeit, im Studium oder Beruf erwischen und fragen. Das passiert ja leider zu selten. Manchmal treffe ich zwar einen ehemaligen Schüler im Zug und bin dann ganz erstaunt, wenn der oder diejenige zum Beispiel vom Mathematik-Studium zu einer Ausbildung als Altenpfleger gewechselt ist. Aber in der Regel erfahre ich nichts vom späteren Werdegang.

In meinem aktuellen Fall musste ich mich nun aber gar nicht bemühen und meine ehemaligen Schüler lange suchen, denn sie kommen in diesem Fall wieder von alleine zurück!

OpenProject

Ehemalige Schüler unserer Schule waren es wohl Leid, dass Lehrer nichts im Informatikunterricht unterrichten dürfen, was wirklich Spaß macht:

  • Virtual Reality
  • Spiele programmieren mit Unity
  • Bloggen
  • 3D-Drucken
  • 2D/3D-Design, Animation
  • Hardware (Computer und Netzwerke aufbauen)

Nachdem sie wohl schon seit Jahren zusammen programmieren und auch während ihres Studiums sich noch regelmäßig treffen, kamen sie auf die Idee, ihr Wissen an interessierte Schüler ihrer ehemaligen Schule weiterzugeben. Hierzu gründeten sie die Gruppe Open Project und bieten nun mehr oder weniger regelmäßig, das wird sich noch zeigen, Veranstaltungen zu den oben genannten Themen an. Die Gruppe besteht dabei nicht nur aus InformatikstudentInnen. Auch angehende DesignstudentInnne oder FilmemacherInnen sind mit dabei.

Die Ehemaligen brauchten nur das Okay meines Chefs und natürlich einen Lehrer, der sie dabei unterstützt in dem Räume aufgesperrt werden, mal spontan Software installiert wird oder ein fehlendes Kabel geholt wird. Letzteres ist nun meine Aufgabe. Und ich mache sie gerne (siehe Punkt 2 oben).

Ein wirklich tolles Projekt und ich hoffe, dass es sich zu einer regelmäßigen Veranstaltung entwickelt. Dazu müssen dann natürlich spätere weitere Schüler hinzukommen oder vielleicht findet sich ja der ein oder andere Elternteil, der auch mal was von seinem Wissen und seiner Begeisterung weitergeben möchte. Natürlich nur nach Rücksprache mit den Gründungsmitgliedern der Gruppe OpenProject.

Stolz und Glück

Lange habe ich über den Namen des Beitrags nachgedacht – darf man als Lehrer überhaupt Stolz auf die Leistung der Schüler sein, ist das nicht ein wenig, sagen wir, narzisstisch?

Und Glück? Darf man als Lehrer glücklich sein? Ich denke, glücklich sein ist wohl drin, denn auch Lehrer sind Menschen. Und wenn man länger mit Schülern an einem Projekt zusammenarbeitet, dann wachsen die Schüler einem irgendwie ans Herz. Weil man mit ihnen durch die Probleme geht. Sieht, wie sie zunächst scheitern, um dann später daran zu wachsen. Weil man erlebt, wie sie Dinge tun, die man ihnen zunächst nicht zugetraut hat – man kannte sie noch gar nicht. Und im Laufe der Monate und durch viele Gespräche zwischen Tür und Angel, per Email, im Unterrichtsraum entsteht eine Verbindung, die einen Stolz auf das macht, was die Schüler geleistet haben. In meinem Fall spreche in von dem P-Seminar „Kurzfilm“, welches noch bis zum Ende von 12/1 läuft.

Für die Nicht-Bayern kurz zur Erklärung: Im noch existierenden G8 in Bayern sollen die Schüler im Zeitraum von 11/1 bis einschließlich 12/1 an einem Projekt arbeiten, daher auch P-Seminar, durch welches die Schüler zum einen Erfahrung mit Projektarbeit machen und zum anderen sich über ihren weiteren Werdegang klar werden. Schön ist es, wenn das Projekt mit externen Firmen abläuft, aber wichtig ist es in meinen Augen nicht. Mir geht es vor allem darum, dass die Schüler einfach mal so richtig lange an ein und derselben Sachen aktiv dran bleiben und zum Abschluss das Projektergebnis der Öffentlichkeit, und wenn es nur die Mitschüler sind, präsentieren.

Der Start

Bei diesem P-Seminar lief jetzt aber manches so, wie ich es bisher nicht gekannt habe. Das geht mit dem Startschuss los. Eigentlich wollte ich zum Schuljahr 2016/17 gar kein P-Seminar anbieten. Da aber unsere Kunstlehrerin, die ein P-Seminar angeboten hatte, die Schule wechselte, bot ich mich als Ersatz an. Da ich die Schüler, die sich vielleicht schon für das Kunst P-Seminar entschieden hatten nicht enttäuschen wollte, und ich zu dem Zeitpunkt viel über die Struktur von Filmen gelesen hatte, kam ich auf das Thema „Kurzfilme“.

Der Zufall spielte mir dann in die Hand, dass der Energie-Solar-Verein Pfaffenhofen seine Ausstellung zum Thema „Energie“ digitalisieren wollte und uns Gelder über das Jugendparlaments Pfaffenhofen zur Verfügung stellen konnte. Glücklicherweise konnte ich meine Schüler davon überzeugen sich diese Chance nicht entgehen zu lassen. Hatte ich doch bei meinem P-Seminar „3D-Druck“ gemerkt, wie schwierig es ist an Spendengelder zu kommen.

Der Ablauf

Nach dem Startschuss entwickelte sich dann eine Eigendynamik, die ich so bislang kaum kannte. Die „kreativen“ Schüler bildeten Gruppen und fingen recht selbstständig an Ideen für erläuternde Filme zu entwickeln, Drehbücher zu schreiben und Drehorte zu recherchieren. Mit Hilfe professioneller Ausrüstung von Utopia aus Pfaffenhofen, teilweise mit eigenen Kameras wurden die Wochenenden geopfert, um Filme zu drehen oder  Animationsfilme am Computer zu zeichnen. Ausrüstung aus dem Verwandtenkreis wurde organisiert und Väter wurden als Sprechern verpflichtet. Abschließend wurde das Rohmaterial teilweise mit Schullaptops geschnitten und vertont oder die heimischen PCs wurden bis an ihre Leistungsgrenze hin zum Rendern gezwungen.

Die Gruppe der Informatiker teilte sich parallel zur Künstlergruppe ebenfalls auf. Je nach Können und Lust wurde auf der einen Seite  eine Endgeräte unabhängige Internetseite entwickelt, wofür eine eigene Navigation entwickelt wurde und die Materialien des ESV aufbereitet wurden. Auf der Hardware-Seite wurde nach Monitoren, Tablets und mobilen Ständern für diese Monitor recherchiert und diese aufgebaut und konfiguriert und vor allem viel getestet.

Das Ergebnis

Das Endprodukt, die Internetseite ausstellung.esv-paf.de,  wurde nun endlich am vergangenen Donnerstag bei unserem Auftraggeber aufgebaut. Sogar die Presse kam und zusammen mit dem Geldgebern vom Jugendparlament Pfaffenhofen stellten wir uns noch kurz für ein Bild zusammen

Was soll ich sagen: Ich bin stolz auf das, was meine Schüler geleistet haben! Und das können meine Schüler ebenfalls sein!

Und wenn ich auch noch gesund gewesen wäre, hätte man es mir vielleicht auf dem Foto auch angesehen. Aber mein Körper war der Meinung, dass er gleich mal die erste Erkältungswelle mitnehmen muss.

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