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Erlebnisreiches 2015

Ich wünsche allen ein schönes, neues und erfolgriches Jahr 2015. Ganz besonders meinen Zwölftklässlern. Sie haben ein spannendes Jahr vor sich. Erst das Abitur, dann ein Menge Freizeit und abschließend der Beginn des Studiums oder einer Lehre oder ….

Und wer noch nicht weiß, was er dieses Jahr machen soll, dem empfehle ich zwei Sachen. Zum einen sollte er sich mal im P-Seminar-Bereich meiner Hauptseite umschauen und zum anderen hilft in Fällen von Ratlosigkeit immer Julia Engelmanns Beitrag zum 5. Bielefelder Uni Poetry-Slam.

In ihrem Sinn wünsche ich daher allen Lesern ein ereignisreiches Jahr 2015, auf das am Sylvesterabend 2015 jeder Geschichten erzählen kann.

Wann beherrscht man etwas?

Immer wieder hört man von Eltern die Aussage: “Zuhause hat er/sie es aber noch gekonnt!” Wie reagiert man darauf, wenn dann doch die 5 oder 6 nur herausgekommen ist?

In einem Forum aus dem Internet ist mir jetzt erst so richtig klar geworden, was das Problem ist: Oftmals wird “Können” mit “Beherrschen” gleichgesetzt. Was aber so nicht stimmt. Im Grunde gibt es drei Abstufung:

  1. Ich habe es mal gemacht
  2. Ich kann etwas
  3. Ich beherrsche etwas.

Um in einer Prüfungssituation wirklich bestehen zu können, sollte man den Punkt 3 anstreben. Aber worin unterscheiden sich die Punkte eigentlich. Ich versuch es zunächst mit einer Analogie zum Autofahren speziell vielleicht dem Rückwärts einparken in einer Seitenbucht :

  1. Ich habe es mal gemacht würde bedeuten, dass der Fahrlehrer neben mir saß und mir die ganze Zeit sagte, wann ich vorwärt und rückwärts fahren muss. Wann und wie viel ich das Lenkrad einschlagen muss etc.
  2. Ich kann etwas würde heißen, dass ich es ohne Fahrerlehrer und Hilfe kann, aber sehr langsam bin oder umständlich manövriere. Das ganze Manöver benötigt meine volle Aufmerksamkeit.
  3. Ich beherrsche das Rückwärts einparken, wenn ich nebenher mit dem Kind auf der Rückbank dikutieren kann, die Sonderangebote vom Geschäfte sehe, die von hinten ankommenden Autos bemerke, aber dennch in zwei Zügen  fertig bin.

Auf die Schule lässt sich das auch übertragen:

  1. Ich habe es mal gemacht: Wenn der Lehrer es vorrechnet, ich in der Schule fragen kann, jemand bei den Hausaufgaben mir hilft(!), dann schaffe ich es.
  2. Wenn ich zu Hause genügend Zeit habe, und die Möglichkeit habe, meine Lösungen zu kontrollieren, dann kann ich es auch.
  3. Beherrschen würde bedeuten, dass man nebenher Musik hören kann, mit dem Freund oder Freundin nebenher WhatsUppen kann und dennoch in minimaler Zeit fehlerfrei zum richtigen Ergebnis kommt.

Höre ich also den Satz “Zu Hause hat er/sie es noch gekonnt”, habe ich meist das Bild vor Augen, dass a) entweder ein Elternteil dabei saß und mit geholfen hat, wie ein Fahrlehrer (Stufe 1) oder dass b) die Kinder ihren Eltern nur sagen, dass es keine Probleme beim Üben gab, obwohl sie nicht immer die richtigen Ergebnisse herausbekommen (Stufe 1-2) Für eine gute bis sehr gute Note würde ich aber Stufe 3 voraussetzen. Stufe 1 würde der reinen Wiedergabe von Aufgaben aus dem Unterricht bedeuten, wobei eine Prüfung ja nie nur, wenn überhaupt, aus Aufgaben aus dem Unterricht bestehen.

Meine aktuellen Zehntklässler stehen im Rahmen der Programierung übrigens noch auf Stufe 1. Ohne meine Hilfe können Sie es noch nicht. Ein paar wenige sind aber immerhin schon auf Stufe 2 angekommen.

Grundschulmathematik

Wahrscheinlich geht es vielen Lehrern so wie mir, dass sie ab und zu mal im Bekannten- und Freundeskreis aushelfen müssen. Mir passierte das vor einigen Tagen. Das Thema war Geometrie. Nicht so schwer dachte ich … bis dann die Aufgabe kam. Die Aufgabe war als Hausaufgabe und Vorbereitung für einen Test gedacht, der am darauffolgenden Tag kam:

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Ich habe dann mal sketchometry hergenommen und skizziert. Herausgekommen ist dieser Anfang:Bildschirmfoto 2014-12-19 um 06.12.08

Laut Aufgabe soll nun der “untere Schnittpunkt P” genannt werden. Das wäre hier also der Punkt B. Und jetzt kommt das Problem: “Zeichne durch P eine Senkrechte zum Rechteck, die 4 cm lang ist.”

BITTE……??

Wie kann man  eine Senkrechte zu einem Rechteck zeichnen oder konstruieren? Nur Geraden, Strecken oder Strahlen können senkrecht zueinander sein.  Und selbst dann. Soll die Gerade nun senkrecht zu [AB] oder [BC] sein?

Und was heißt 4 cm? Soll z.B. [AB] diese Senkrechte halbieren? Oder soll z.B. [AB] durch den Endpunkt der Senkrechten gehen?

Und was soll das mit den “cm”? Wenn ich die Figur an der Tafel zeichnen würde und wie immer 2 Tafelkästchen für “1 cm” nehmen würde, dann ist bei mir 1 Längeneinheit 10cm lang und bei den Schülern, die analog 2 Heftkästchen genommen, nur 1 cm lang.

Was soll ein solche Aufgabe? Vor einer Probe? War das eine Fehlersuch-Aufgabe? Sollten sich die Grundschüler das selbst erarbeiten? So, wie sie ja nicht mehr das 1×1 lernen müssen, sondern teilweise erschließen müssen und sollen? So,  wie sie im 1. Schuljahr schreiben sollen, wie sie wollen und hören. Und dann wundert man sich, dass sie beim Übertritt keinen fehlerfreien Satz hinbekommen?

Mein Sohn kannte zum Glück die Aufgabe bereits und löste sie für mich: Man muss die Seite b, also die Strecke [BC], um 1,5 cm verlängern. Also so:Bildschirmfoto 2014-12-19 um 06.24.07

Erklärung: Senkrecht ist hier nämlich im umgangssprachlichen Sinn zu benutzen.

Jetzt weiß ich auch, warum meine 7. Klässler immer so verzweifelt beim Konstruieren sind. Denn die müssen auch auf unkarierten Blättern konstruieren können. Und die Figuren liegen wirklich beliebig orientiert auf dem Blatt.

Wer das Sketchometry gleich ausprobieren möchte, die Web-Anwendung gibt es auch als App und macht an digitalen Tafeln wirklich viel Spaß.