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Schule & Informatik

Kategorie: Sonstiges (Seite 2 von 74)

Bedürfnisse

Einer meiner Lieblingsschauspieler, Will Smith, hat mal wieder einen Film am Start. Dieser kommt zwar wahrscheinlich erst im Januar 2017 heraus, aber der Trailer macht jetzt schon Lust auf mehr.

Ähnlich wie in seinem beeindruckenden Film Film 7 Leben aus 2008 oder auch dem nicht ganz so dramatischen Film Das Streben nach Glück (2006), geht es hier um die großen Dinge des Lebens:

Liebe: Jeder möchte geliebt werden
Zeit: Jeder möchte mehr Zeit haben
Tod: Jeder Mensch hat Angst vor dem Tod

Dabei trifft die von Will Smith dargestellte Figur die personifizierte Liebe, die Zeit und den Tod und kann mal richtig Dampf ablassen. Spontan kam mir die Erinnerung an Dickens Weihnachtsgeschichte. In Dickens Erzählung wird die Geschichte von Ebenezer Scrooge erzählt, der nacheinander  drei Geister trifft, welche ihm jeweils die vergangene, die heutige und die zukünftige Weihnacht zeigen. Konfrontiert mit seinem eigenen Leben und dessen Auswirkung ändert Scrooge sein Verhalten zum Positiven.

Nun aber zurück zum neuen Film von Will Smith. Mich persönlich stört etwas an obiger Auflistung: Die drei erwähnten Aspekte sind vor allem Motive eines Erwachsenen. Aus meiner Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen, die beispielsweise noch nicht wirklich das Gefühl haben, dass sie zu wenig Zeit haben, gibt es noch ein anderes Grundmotiv. Eines, das sich auch im Erwachsenenalter nicht verliert, aber in Anbetracht der obigen drei Motive wahrscheinlich eher zu einem Hintergrundrauschen verliert: Wahrgenommen zu werden. Ein etwas sperriger Ausdruck, den ich lieber durch Respekt ersetzen würde, aber Respekt ist dann doch wieder etwas anderes.

Was meine ich nun mit dem Begriff Wahrgenommen zu werden? Vom Moment der Geburt an, streben wir nach Aufmerksamkeit, wollen wahrgenommen werden. Zunächst von unseren Eltern, weil wir trinken oder die Windel gewechselt haben wollen. Als junges Kind dann, weil wir zeigen wollen, was wir tolles gemalt und gebastelt haben. Das wir schon ein Rad schlagen können oder besonders gut schaukeln oder ohne Stützräder schon fahren können. Als Jugendlicher möchte ich von meiner Peergroup, meinen Freunden gesehen, beachtet, einfach wahrgenommen werden.

Auch als Erwachsener im Berufsleben möchte ich von meinem Chef oder meinen Kollegen wahrgenommen werden. Manche geben das nur ungern zu, aber ich denke, dass wir das alle fühlen, wenn es mal fehlt. Wenn man sich wochenlang für eine Projekt den A…. aufgerissen hat, um dann nicht mal ein „Das haben Sie wirklich toll gemacht. Ich möchte gar nicht wissen, wieviel Anstrengung dieses Projekt sie gekostet hat. Damit haben Sie uns alle vorwärts gebracht.“ zu hören.

Und als Lehrer bin ich nicht nur Unterrichtender, sondern auch so etwas wie Chef. Ich habe Schüler vor mir, die wahrgenommen werden wollen. Die zu Hause vielleicht viel allein sind und dann ihr Bedürfnis nach „Wahrgenommen werden“ sehr vehement, leider manchmal durch störendes Verhalten gegenüber mir oder Mitschülern versuchen zu befriedigen. Diese Schüler einfach nur zu bestrafen auszuschließen, führt daher oftmals nicht zum langfristigen Erfolg. Diese Schüler benötigen eine Aufgabe durch die sie als Person wahrgenommen werden. Das Gefühl haben, das sie als Person eine positive Bedeutung haben.

Die guten und braven Schüler haben natürlich auch ein entsprechendes „wahrgenommen werden“ verdient. Das Sprichwort „Nicht geschimpft, ist genug gelobt!“ sollte gerade bei diesen Schülern keinesfalls gelten. Denn wenn Kinder nicht wahrgenommen werden, sich abseits fühlen, suchen sie sich andere Gruppen in denen sie dieses so drängende Bedürfnis befriedigt glauben.

 

Fernsehtipp: Computer und Spiele

So einen Feiertag lässt sich ganz unterschiedlich begehen. Ich für meinen Teil habe per Zufall mitbekommen, dass zdf.info eine interessante Reihe über Chancen und Risiken von Computer(spielen) ausstrahlt. Wahrscheinlich eine Aneinanderreihung von alten Beiträgen, aber in dieser Kompaktheit ganz interessant. Die Beiträge kann man sich aber noch, zumindest heute, in der zdf.mediathek anschauen. Themen sind hier neben der Entwicklung der Spielekonsolen und Firmen wie Nintendo, Atari auch die Gefahren von Computerspielen und, was mich persönlich fasziniert hat, die Übertragung der Konzepte der Spiele wie WoW in den Unterricht.

Hier vor allem die Anwendung eines Lehrers aus Kanada, die inzwischen auch sehr gut wohl vermarktet wird: classcraft.com. In Gruppen müssen hier Punkte erreicht und Aufgaben gelöst werden. Ist einer in der Gruppe schlecht, so ist die ganze Gruppe schlecht, usw. In wie weit wäre so was in der deutschen Bildungslandschaft möglich?

Und dann gab es noch vor ein paar Tagen den Beitrag von Quarks & Co der u.a. über die Gefahren einer möglichen künstlichen Superintelligenz. Würde Sie uns dienen oder uns Menschen schaden? Ein Thema, dass in vielen Filmen bereits aufgegriffen wurde. So z.B. in dem Film Transcendence mit Johnny Depp in der Hauptrolle.

Ein schultauglicher Film wäre im übrigen „9“. Wobei… im Grunde ist es eine Frage, wie alt die Schüler sind und wie reif. In der Oberstufe gingen auf alle Fälle beide Filme.

Ergänzung:

Am Nachmittag gab es noch eine sechsteilige Serien über die Geschichte der Computer und Informatik. Die entsprechende Linkliste ist hier zu finden.

Kann man so einen Tag vor dem Fernsehen eigentlich als Fortbildung anrechnen lassen?

Buchkritik – Knigge für Handys

Wie ich schon darstellte, lese ich mehrheitlich Fachbücher. Wobei ich „Fachbuch“ sehr weit sehe. Alles, was ich irgendwie im Unterricht einsetzen könnte, kommt für ich als potentielle (oder „potenzielle“?) Lektüre in Frage. So auch das Buch „Herrn Knigge gefällt das!“ von Max Scharnigg.

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Was ich mir erhofft hatte

Aufgrund der Aufmachung und des Klappentextes, ich habe das Buch tatsächlich einfach mal in einem Buchladen gekauft ohne vorher Kritiken im Internet zu lesen, hatte ich erwartet, dass hier ein gesellschaftlich korrekter Umgang mit dem Handy mehr oder weniger witzig an schönen Situationen dargestellt wird.

Was ich gefunden habe

Gefunden habe ich leider etwas anderes. Die Kapitel sind in der Regel 2-3 Seiten lang und geben wieder, was der Autor sich beim Betrachten verschiedener Situationen in denen das Handy Smartphone eine Rolle spielt wohl gedacht hat.

Beispielsweise beim Betrachten der morgendlichen Mit-Straßenbahnfahrer. Jeder schaut autistisch auf sein Handy, schreibt WhatsApp, spielt oder liest. Früher war das anders – vielleicht sogar besser. Denn da hat jeder in sein Buch geschaut oder versucht Zeitung zu lesen. Allein durch den Versuch die Zeitung umzublättern, kam es dabei schon zur Kommunikation.  Denn eine Zeitungsecke im Auge will keiner haben.

Seine Gedanken für das richtige Fotografieren des eigenen Essens im Restaurant halte ich zwar für richtig („schnell, unauffällig, ohne andere zu stören“), aber selbstverständlich. Gut, das kann jetzt zwar an mir liegen, aber irgendwie hatte ich mir mehr erwartet.

Was ich nicht gefunden habe

Daniel Pennac schrieb mal so schön über die Rechte des Lesers:

Der Leser hat das Recht „Ein Buch nicht zu Ende zu lesen.“ und „(…) Seiten zu überspringen.“

Und das habe ich getan. Damit laufe ich natürlich Gefahr dann doch den ein oder anderen interessanten Absatz zu übersehen, aber das Risiko gehe ich ein. Ich denke nicht, dass ich so viel verpassen werde. Und wenn, dann weiß ich es ja nicht.

Jetzt aber zum eigentlichen Punkt. Was mir  in dem Buch fehlt, ist der Vergleich mit dem „echten Knigge“. Wie ist das zum Beispiel mit dem Small-Talk. Der alte Knigge schreibt da:

Bieten Sie dem Gast einen Platz und etwas zu trinken an (bei längerer Wartezeit auch etwas zu lesen) und starten Sie eine Konversation.

Schön wäre da die Ergänzung:

…und lassen Sie das Handy in der Tasche – auch wenn es neue Nachrichten meldet.

Eine entsprechende Situation schön und überspitzt dargestellt, hätte dem Buch sicher gut getan.

Auch ein Vergleich zwischen den Kulturen wäre spannend gewesen. Wie sieht es in den USA , wie in Japan aus? Aber das wäre vielleicht wieder über das Ziel des Buchs hinausgegangen.

Fazit

Ein Buch, das man nicht wirklich gelesen haben muss, das man aber gut verschenken kann. Und aufgrund der kurzen Kapitel eignet es sich prima als Bettlektüre und man nur kurz noch was lesen möchte.

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