Es gibt wahrscheinlich zwei Gründe, warum man vielleicht Lehrer wird:

  1. Man liebt das Fach
  2. Man „unterrichtet“ gerne

Bei den meisten Lehrern kommt natürlich beides vor. Mal im Verhältnis 60:40, mal 30:70 oder sogar 50:50.

Bei mir hängt es von der Tagesform oder dem Thema ab. In der Regel finde ich die Informatik inhaltlich spannend. Ganz besonders die 12. Klasse mit ihrer Theorie über Sprachen, Automaten und Netzwerken. In der 10. Klasse empfinde ich es als Herausforderung mir einen Zugang zum Programmieren zu überlegen, so dass jeder etwas für sich mitnimmt. Aktuell wäre das der Versuch über Processing. Und das läuft, denke ich, bisher ganz gut an.

Beim zweiten Punkt denke ich vor allem an meine P-Seminare, aber auch an andere und vor allem untere Jahrgangsstufen. Denn für mich geht es beim Unterrichten nicht nur um das Inhaltliche. Je nach Alter versuche ich, dass die Kinder sich in ihrem Charakter Denken Persönlichkeit weiterentwickeln. Das sie sich ausprobieren, an ihre Grenzen, aber auch darüber hinaus kommen. Sie sollen das Gefühl bekommen, dass mehr in ihnen steckt als nur vorgekautes Wissen zu reproduzieren. Das man dabei nicht alle 30 Schülern einer Klasse erreicht, sollte jedem klar sein. Aber das wäre auch der falsche Anspruch.

Aber woher weiß man dann, dass die eigenen Bemühungen vielleicht etwas dazu beigetragen haben, dass die Schüler nach der Schule das tun, was gut für sie ist? Man müsste ja die Schüler NACH der Schulzeit, im Studium oder Beruf erwischen und fragen. Das passiert ja leider zu selten. Manchmal treffe ich zwar einen ehemaligen Schüler im Zug und bin dann ganz erstaunt, wenn der oder diejenige zum Beispiel vom Mathematik-Studium zu einer Ausbildung als Altenpfleger gewechselt ist. Aber in der Regel erfahre ich nichts vom späteren Werdegang.

In meinem aktuellen Fall musste ich mich nun aber gar nicht bemühen und meine ehemaligen Schüler lange suchen, denn sie kommen in diesem Fall wieder von alleine zurück!

OpenProject

Ehemalige Schüler unserer Schule waren es wohl Leid, dass Lehrer nichts im Informatikunterricht unterrichten dürfen, was wirklich Spaß macht:

  • Virtual Reality
  • Spiele programmieren mit Unity
  • Bloggen
  • 3D-Drucken
  • 2D/3D-Design, Animation
  • Hardware (Computer und Netzwerke aufbauen)

Nachdem sie wohl schon seit Jahren zusammen programmieren und auch während ihres Studiums sich noch regelmäßig treffen, kamen sie auf die Idee, ihr Wissen an interessierte Schüler ihrer ehemaligen Schule weiterzugeben. Hierzu gründeten sie die Gruppe Open Project und bieten nun mehr oder weniger regelmäßig, das wird sich noch zeigen, Veranstaltungen zu den oben genannten Themen an. Die Gruppe besteht dabei nicht nur aus InformatikstudentInnen. Auch angehende DesignstudentInnne oder FilmemacherInnen sind mit dabei.

Die Ehemaligen brauchten nur das Okay meines Chefs und natürlich einen Lehrer, der sie dabei unterstützt in dem Räume aufgesperrt werden, mal spontan Software installiert wird oder ein fehlendes Kabel geholt wird. Letzteres ist nun meine Aufgabe. Und ich mache sie gerne (siehe Punkt 2 oben).

Ein wirklich tolles Projekt und ich hoffe, dass es sich zu einer regelmäßigen Veranstaltung entwickelt. Dazu müssen dann natürlich spätere weitere Schüler hinzukommen oder vielleicht findet sich ja der ein oder andere Elternteil, der auch mal was von seinem Wissen und seiner Begeisterung weitergeben möchte. Natürlich nur nach Rücksprache mit den Gründungsmitgliedern der Gruppe OpenProject.