Ein Thema, welches mich seid ein paar Tagen umtreibt, ist Feedback. Warum? Weil es gewünscht wird. Von Schülern, von den Eltern der Schüler, von (Un)Bekannten, von Freunden, von Kollegen. Auch ich fordere wünsche es mir, wenn ich mal wieder Zeichnungen zeige oder ein neues Rezept ausprobiert habe oder einen neuen Kurs belege.

Aber warum? Warum fordert oder wünscht man sich Feedback? Und warum kann man es von manchen Menschen besser annehmen und von anderen nicht? Warum glaubt man die Rückmeldung bei manchen und manchmal will man es nur von bestimmten Personen bekommen?

Ich versuche mal meinen Gedanken dazu hier zu formulieren und hoffe dann auch wiederum auf Feedback. Den Schwerpunkt möchte ich dabei auf die Schule legen, da es privat dann doch vielleicht komplexer ist… vielleicht aber auch nicht, das kann jeder selbst entscheiden. Zunächst aber die Frage:

Warum überhaupt Feedback?

Menschen haben neben den biologischen Handlungsmotiven (Hunger, Durst,..) auch zwei andere Motive: Selbstwirksamkeit (nach Bandura) bzw. Selbstbestimmung und  die Zugehörigkeit.

„Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann,
so ist es der Glaube an die eigene Kraft.“

(Marie von Ebner-Eschenbach).

Im ersten Fall möchte man erleben, dass man etwas bewirken kann, etwas meistern. Man möchte sich der Umwelt nicht ausgeliefert fühlen, möchte kompetent sein. Ein Grund, warum Computerspiele funktionieren. Die Spielfigur, die ich steuere, kann etwas in der Spielumgebung bewirken. Und sie kann wachsen und sich entwickeln und größer und stärker werden. Oder beim Sport: Erst ist man in der Anfängergruppe, dann Fortgeschrittener und dann darf man endlich in die Mannschaft.

Womit wir durch „die Mannschaft“ schon beim zweiten Punkt sind: Zugehörigkeit. Niemand möchte wirklich alleine sein. Denn nur durch das Zusammensein fühlen wir uns nicht nur geborgen und sozusagen „in der Herde beschützt“. Erst durch das Zusammensein mit anderen machen unsere erworbenen Kompetenzen Sinn. In der Regel ist niemand zufrieden und glücklich, wenn er zwar etwas kann, aber niemandem dies zeigen kann. Wir suchen die anderen, die uns sagen und zeigen: „Ja, das machst du wirklich gut.“ Erst in dem Zusammensein mit anderen weiß ich Wo ich stehe. Ich brauche Referenzpunkte. Ein Boot auf dem Ozean ohne Referenzen ist heillos verloren, da der Kapitän mangels Orientierung nicht weiß wohin.

Und auch dieses Bedürfnis greifen viele Computerspiele auf: Man sitzt zusammen vor den Spiele-Konsolen oder spielt online in Gilden und Gruppen zusammen oder trifft sich sogar real zu einem Raid beim PokemonGO spielen. Im letzten Fall kann ich in direktem Kontakt spüren und erleben, was ich kann, was nicht, kann Selbstwirksamkeit spüren, kann mich in der Gruppe verorten und meinen Platz finden. Und mich anstacheln lassen besser zu werden.

Was der Spieler in diesem letzten Fall erlebt, ist in meinen Augen Feedback: Er bekommt

  1. eine Information über seine Wirksamkeit, seine Kompetenz, seine Fähigkeiten
  2. von einer anderer Person, von der Umgebung.

Im Idealfall entsteht ein Kreislauf.

Menschen möchten in meinen Augen ein Feedback, das ihnen Selbstwirksamkeit zeigt und ein Gefühl der Zugehörigkeit gibt.

Ganz so einfach ist es dann doch nicht

„Aber in der Schule bekommt man doch Feedback…. Noten“, ist dann vielleicht ein typische Lehrerantwort. Und irgendwie stimmt diese Aussage ja auch, aber dennoch sind Noten nicht nur Feedback, denn zumindest in meinen Augen fehlen ein paar wichtige Aspekte, damit Schüler Noten als Feedback erleben.

  1. Zusammenhang mit Fähigkeit
    Die Noten muss nicht zwingend eine Aussage über die Fähigkeiten eines Schülers machen: Vielleicht hatte er nur abgeschrieben oder einfach Glück gehabt, weil er genau den Bruchteil des Stoffs konnte, der dran kam.
  2. Emotionale Bindung zum Geber
    Die Note kommt von einer Person, die dem Schüler nichts bedeutet oder anders: der Feedbackgeber ist für den Empfänger emotional irrelevant. Im obigen Beispiel der PokemonGO-Gruppe würde das bedeuten, dass der Spieler eigentlich nicht zur Gruppe gehören will, eine Rückmeldung von dieser Gruppe wäre für ihn also ohne Bedeutung.
  3. Kompetenz des Gebers
    Kommt die Rückmeldung von einer Person, die mir nicht kompetent erscheint, bedeutet mir die Rückmeldung nichts. Ist der Spieler der Gruppe, der mir das Feedback gibt, schwächer als ich, so kann er mir tausendmal sagen, dass ich das toll mache. Es würde mir nicht so viel bedeuten, wie von einem erfahrenene Spieler auf einem höheren Level.

Welche Konsequenzen hätte das nun für den Schulalltag?

Am Einfachsten lässt sich in meinen Augen der dritte Punkt erledigen. Denn zumindest wir Lehrer haben das Fach, welches wir unterrichten, alle studiert. Und mit entsprechender Unterrichtsvorbereitung (manchmal genügt auch jahrelange Erfahrung 😉 ) gelingt ein fachlich überzeugender und inhaltlich korrekter Unterricht.

Der zweite Punkt ist da schon schwieriger, wird aber durch viele Untersuchungen bestätigt: Lernen in emotional positiv aufgeladener Atmosphäre ist besonders  erfolgreich. Der Dreh- und Angelpunkt ist dabei in meinen Augen der Respekt. Wenn ich mein Gegenüber respektiere, als wertige Person schätze, kann er sich so wohl fühlen, dass er mein Feedback auch annehmen kann. Das ist in der Oberstufe manchmal leichter als in einer pubertierende Mittelstufeklasse, aber es geht. Wie ich mir das Grundkonzept dazu vorstelle, erkläre ich vielleicht später mal. Wer mehr dazu wissen möchte, kann erstmal hier weiterlesen.

Der erste Punkt ist nicht immer so einfach zu lösen, da ich als Lehrer wenig auf das Lernverhalten zu Hause einwirken kann. Daher nicht genau weiß, warum ein Schüler eine gute oder schlechte Note bekommen hat. Hier wäre vor allem eine regelmäßige und oft stattfindende Rückmeldung eine Möglichkeit Zufälligkeiten auszugleichen. Im Praxisalltag höre ich das (ich selbst bin ja nicht dabei) von Kollegen, die z.B. sehr regelmäßig kurze Lateinvokabeltests schreiben oder einmal die Woche eine Art Grundwissenstest über den Stoff der Unterrichtstunden in der vorangegangenen Woche in Mathematim schreiben. Auch Klassenzimmeraushänge über die Anzahl der gemachten Hausaufgaben von jeder Person habe ich schon gesehen. Ganz zu schweigen von den Ideen, die oft in Grundschule umgesetzt werden: Hier werden Smileys und Sadies gesammelt und um sie dann gegen Sonnen oder Spielzeug und Süßigkeiten zu tauschen – Gamification at its best.

Kurzes Fazit

Nochmal kurz zusammengefasst, wie erfolgreiches Feedback durch folgende Aspekte eventuell positiv beeinflusst werden kann:

  • Ich mache regelmäßig Noten, um so „zufällig“ gegebene gute bzw. schlechte Noten, die nichts mit den Fähigkeiten des Schülers zu tun haben, herauszumitteln. Die Zeitpunkt sind klar vorgegeben, um den Schülern in den anderen Zeiträumen auch Raum zu geben gefahrlos Fehler machen zu können.
  • Ich interessiere mich für das Leben der Schüler: was sie in ihrer Freizeit tun; beachte, wie sie sich anziehen; freue mich mit ihnen oder bin auch mal mit ihnen enttäuscht.
  • Ich bereite meinen Unterricht sauber vor. Und wenn ich etwas mal nicht weiß oder einen Fehler mache, dann zeige ich ihnen durch meine Reaktion, wie man kompetent damit umgeht.

Und noch etwas: Es gibt inzwischen ja recht viele Apps, die das Feedback geben vereinfachen sollen (learningsnacks, learningApps,..). Leider fehlt da in meinen Augen oftmals der Aspekt der Zugehörigkeit, weswegen ich diese Programme auch nur bedingt im Unterricht einsetze. Für mich ist der Aspekt der Zugehörigkeit einfach zu wichtig. Bessere Anwendungen wären da  Kahoot oder Plickers, denn hier wird wenigstens in der Gruppe agiert.

Linktipps:

  • Mehr zum Thema Feedback findet man z.B. bei stangl.eu .
  • Zum Thema Selbstwirksamkeit hier , wobei sich das vor allem auf den Sportunterricht bezieht.