Neben Sport (Apnoetauchen, Laufen, Gleitschirmfliegen, Golf spielen), Musik (Ukulele, Gesang,  Saxophon, Klavier) – und Schreibversuchen (Bloggen, Szenisches Schreiben) sowie Kochen (z.B. Rosenkohl-Lasagne) und Photographieren ist eines meiner weiteren Hobbies ja auch das Zeichnen. Hierbei nicht nur das Urban Sketching sondern auch das Zeichnen von Cartoons.

Bei all meinen Hobbies gehe ich in der Regel dabei so vor, dass ich mir erstmal ein Mindestmaß an theoretischen Background aneigne und mir dadurch ein gewisses Regelwerk erarbeite. Sei es nun Bildaufbau, die Heldenreise nach Campbell, Kombinationen von Geschmacksrichtungen oder Atemtechniken. Wahrscheinlich ist das der Mathematiker Naturwissenschaftler in mir, der immer auf der Suche nach Strukturen und Gesetzmäßigkeiten ist.

Der kreative Teil ist dann, genau diese Regel manchmal bewusst zu brechen. Entweder durch neues kombinieren oder durch weglassen. In deutschen und französischen Filmen wird z.B. oft eher weggelassen. Werden amerikanische Filme gerne nach dem Schema von Joseph Campbells Heldenreise aufgebaut (Held bekommt Aufgabe; will nicht; findet Mentor und Freunde; macht sich auf den Weg; er erkämpft sich das „Elixier“; finaler Kampf; alles gut), wird in europäischen Filmen entweder die Reise gar nicht angetreten oder der Held findet nicht das Elixier und scheitert. Franz Kafkas „Der Prozess“ kann so interpretiert werden. Die Hauptfigur Josef scheitert quasi schon am Anfang der Geschichte.

Jetzt aber zurück zum Zeichnen. Anregungen für den kreative Part hole ich mir dann bei Profis. Und bei den Comiczeichner sind das vor allem vier Künstler: Sempé, Der Flix, Traxler und Christoph Niemann.

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Eigentlich wollte ich im Folgenden selbstgemachte Fotos aus den Büchern zeigen, damit man gleich einen Eindruck hat, aber ich bin mir nicht sicher, ob so etwas rechtlich erlaubt wäre. Daher nur dummy-Bilder.

Christoph Niemann

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Bildquelle: Christoph Niemann, Sunday Sketching, Abrams, New York, 2016

Christoph Niemann ist ein deutscher Illustrator, der in New York lebte, jetzt aber in Berlin lebt und arbeitet und unter anderem für seinen Titelseiten des New Yorker bekannt geworden ist. Was ich an ihm liebe, sind vor allem die neuen Perspektiven. Alles und jedes wird aus einem anderen Blickwinkel gesehen und in seine Bilder integriert. Für mich immer die Aufforderung die Dinge um mich herum mal anders anzuschauen und was neues zu entdecken.

Christoph Niemann hat nun ein neues Buch herausgebracht: Sunday Sketching. Eine Sammlung seiner besten und kreativsten Skizzen und Bildern auf immerhin 272 Seiten. Sehr inspirierend! Es hat mich immerhin zu diesem Blog-Eintrag angeregt. Und es wird mich weiter daran erinnern, die Dinge einmal anders zu sehen.

Sempé

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Bildquelle: Sempé, Sempé’s Paris, Diogenes, Zürich, 2002

Sempé dürfte jedem ein Begriff sein. Ein französischer Autodidakt, der wie keiner vor ihm zunächst die Welt der Franzosen und später ebenfalls die Welt der New Yorker aufs Papier bannte. Bei ihm gefällt mir immer besonders die leicht mitschwingende Melancholie oder Nachdenklichkeit oder allgemein die Darstellung von Gefühlen – gerade in seinen französischen Bildern. Ein recht interessantes Interview ist mal in der FAZ erschienen.

Der Flix

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Bildquelle: Flix, Faust, Carlsen Verlag, Hamburg, 2010

Die großartigste Arbeit von Felix Görmann, genannt Flix, ist für mich im Moment immer noch der Comic zu „Faust“, in der er die Geschichte des Faust nicht nur großartig zeichnet, sondern auch unglaublich treffend in die heutige Welt und Zeit überträgt. Und das auch wieder mit einer großartig reduzierten Darstellung, die dennoch schön anzuschauen ist. Faust ist zwar relativ textlastig, aber seine Bilder sind sehr auf die Figuren reduziert. Von der Umgebung wird nur das zum Verständnis notwendigste abgebildet.

Schön zu lesen ist auch sein regelmäßig erscheinender Comic-Strip auf der-flix.de .

Traxler

Traxler sollte jeder Pädagoge kennen, kommt von ihm doch das folgende bekannte Bild, das in Zeiten der Inklusion eine völlig neue Bedeutung bekommt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Bild aus den 60ern ist – glaube ich.

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Bildquelle: Hans Traxler, Chancengleichheit, in: Michael Klant , [Hrsg.] , Schul-Spott : Karikaturen aus 2500 Jahren Pädagogik ,Fackelträger, Hannover 1983, S. 25

Richtig gut finde ich aber erst seine späteren Werke, wie „Ich, Gott und die Welt.“ oder „Franz – Der Junge, der ein Murmeltier sein wollte.“ Hier entspricht der Zeichenstil auch mehr dem reduzierten, wie es mich dann anspricht. Die Bildelemente werden meist nur durch die äußere Linie in Position gebracht und umrissen. Das Bild regt, anders als bei Niemann, oft erst durch den bei stehenden Text zum Denken an.

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Bildquelle: Traxler, Cartoons, Philipp Reclam jun. GmbH, Stuttgart, 2009

Bei all diesen Zeichnern begeistert mich mit wie wenig Strichen sie auskommen. Gut, Sempé braucht immer ein paar Striche mehr, dafür sind seine Bilder in der Regel auch sehr voll. Niemann bringt einen immer ans Schmunzeln, weil man so viele Dinge einfach übersieht. Und so habe ich selbst schon versucht mich in der Kunst der Reduktion zu üben.

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Weitere Künstler

Neben diesen Künstlern gibt es selbstverständlich noch andere, die ich mir gerne anschaue: Ruthe, skizzenblog, Johann Mayr.

Aufgrund des aktuellen Weltgeschehens (u.a. dem Wahlgewinn von Trump in den USA) gefällt mir der Ruthe-Film über Gott im Moment sehr gut:

Von Ruthe gibt es inzwischen auch das Bild (das ich allerdings nirgendswo finde), auf dem Gott zu sehen ist, wie er die Welt auf den Sperrmüll stellt – leider.