Lehrzeit

Schule & Informatik

Monat: August 2016 (Seite 2 von 2)

Ferienupdate 2 – Kochen

Da ich zum ersten Mal meine Zeichenversuche im Rahmen des sogenannten #urbansketching im Internet zur Schau stelle, freue ich mich natürlich über die positive Resonanz. Denn gezeichnet bzw. skizziert (Neudeutsch: Sketching), habe ich eigentlich schon immer ganz gerne. Aber mein Ehrgeiz hatte mich ausgebremst: Die Porträts sahen weder nach der Person aus, die die vor mir war, geschweige denn prinzipiell nach einem Menschen. Alles war krumm und schief und der Versuch es besser zu machen, stresste mich nur. Bei mir muss immer alles schnell gehen und irgendwie gefühlsmäßig und der Flow muss sich einstellen.

Meine ganzen Hobbies betreibe ich irgendwie so. Egal, ob es nun das Kochen, Ukulele spielen, Laufen oder das leider aufgegebene Fliegen war. Entweder geht es darum Gefühle rauszulassen (Ukulele spielen, laufen) oder möglichst positive Gefühle zu erzeugen (Kochen, Zeichnen).

Besser im Ukulele spielen zu werden und gleichzeitig „es raus zu lassen“, ist im übrigen etwas, was bei mir irgendwie nicht klappt. Ich schramme immer noch so nur über die Saiten, da wird nicht gezupft oder ein Melodienspiel tage- oder sogar wochenlang eingeübt. Gibt es ein Lied, was zu meiner Stimmung passt, suche ich mir die Akkorde im Internet und schrubbe dabei intuitiv den Rhythmus dazu. Beim Laufen gibt es zum Glück so gut wie keine Technik zu beachten. Einfach Schuhe an und loslaufen. Und das möglichst lange.

Beim Punkt Kochen und Zeichnen kann man aber tatsächlich etwas verbessern, ohne das der Spaß und das Gefühl verloren gehen. Spaß und Gefühl werden sogar gesteigert, man muss nur Experimentieren! In diesem Beitrag geht es zunächst ums Kochen, bevor ich im kommenden Beitrag dann noch etwas zum Skizzieren schreiben werde.

Kochen

Beim Kochen zu experimentieren macht wahnsinnig Spaß. Und inzwischen gibt es so viele Ressourcen, die einem das Ausprobieren erleichtern, dass man keine Ausrede mehr hat, es nicht selbst mal zu versuchen. Bei jedem Kochexperiment beachte ich dabei die mir am wichtigsten erscheinende Regel, dass immer alle 4 Geschmacksrichtung (Salz, Süß, Scharf, Sauer) + Fett dazu gehören. Interessant ist nun, wie ich diese Richtungen in das Gericht bekomme. Daher hier vielleicht mal ein paar Anregungen für Austauschungen:

  • Salz
    Eingelegte Kapern, Sardellen, gesalzene Mandeln,…
  • Süß
    Marmeladen, Honig, Nutella/Schokolade, Früchte, Sirup,…
  • Scharf
    Chorizo, Senf, Peperoni, Sambal Oelek, Ingwer,…
  • Sauer
    Essig, Zitrone, Wein, Buttermilch,…

Und manchmal gibt es auch Zutaten, die beides haben: Cola beispielsweise. Eine Currysauce zum Grillen auf Basis einer reduzierten Cola (Süße und Säure) , mit Tomaten, Sambal Oelek (Schärfe) und zerdrückten Sardellen (Salz) und Olivenöl, zuzüglich sehr gutem Currypulver, bildet da nur die Spitze des Eisbergs. Denn nun kommt die Frage: Womit kombinieren? Was passt dazu?

Zum Glück ist da in den letzten Jahren viel an Literatur erschienen, denn was liegt näher als einfach mal alle viele Rezepte mit Hilfe der Informatik zu analysieren (Datenbank, Informatik 9. Klasse). Stellt man das ganze grafisch dar, so kommen Ergebnisse wie „The flavor connection (interactive)“ heraus. Wenn ich es richtig verstanden habe, wurden hier einfach sehr viele Rezepte analysiert und immer wenn zwei Lebensmittel in einem Rezept gemeinsam auftauchten, dann wurden die Stärke der Verbindung der Lebensmittel um 1 erhöht. Man erhält also einen gewichteten, ungerichteten Graphen (Graphen, Informatik 11. Klasse) mit Lebensmittel in den Knoten.

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Wer gerne mehr Hilfe hätte, der kann auch noch das Buch Der Geschmacksthesaurus zu Hilfe nehmen. Hier werden 99 Geschmacksrichtungen miteinander kombiniert und teilweise mit groben Rezepten oder Anekdoten verdeutlicht. Sehr hilfreich, wenn man sich noch nicht so recht traut, aber Anregungen zum Verbrauch des übriggebliebenen Specks im Kühlschrank braucht (-> ein kräftiger, fleischiger Käse ginge da).

Und wem das alles zuviel ist, dem kann ich nur das Buch „Die Lust und ihr Preis“ ans Herz legen (Gebraucht unter 1 Euro + Versand). Bei diesem schönen Wetter eine angenehme Lektüre. Und es ist kein Kochbuch! Aber es geht „um den Sex des Alters“, das Kochen und das Essen. Ein Buch, das ich schon damals, 1996, gerne gelesen habe…

Ferienupdate

Die ersten zwei Wochen der Sommerferien sind nun ins Land gegangen und ich kämpfe immer noch mit der Umstellung vom Schulalltag in den Ferienalltag – wobei … für mich sehen die Alltage eigentlich sehr ähnlich aus, mal abgesehen vom langen Ausschlafen bis 7 Uhr. Der Grund für die Ähnlichkeiten könnte daran liegen, dass meine Familie eine Krankheitswelle erwischt hat und wir uns daher alle zu Hause verbarrikadiert haben. Mich hat es zum Glück nicht so schlimm erwischt und so versuche ich, so oft es geht, etwas Neues auszuprobieren.

Urban Sketching

In ersteren Linie experimentiere ich mit Urban Sketching, das ich schon eine ganze Zeit lang beobachte. Urban Sketching ist dabei eine Bewegung, die versucht, den Alltag der Städte in schnellen Skizzen basierend auf Tuschestiften und anschließendem Aquarellieren festzuhalten. Meine ersten Versuche sind nun nicht wirklich in der Stadt, aber ich habe für mich eine Technik gefunden, die mir Spaß macht: Ich aquarelliere erst und skizziere dann drüber. Dadurch bekommen die Bilder ein komplett anderes Aussehen als die meisten anderen Sketches, aber das „Ausmalen“ der Tuscheskizzen finde ich irgendwie unspaßig.

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Was mir noch nicht so gefällt, ist das Spiel mit der Farbtiefe. Also vorne intensive Farben, hinten flachere eher ins Graublau gehenden Farben. Aber ich habe schon mal Menschen hin bekommen. Und das Zeichnen bzw. hier nur Skizzieren von Menschen finde immer am schwierigsten von allem. Zum Glück sieht man das beim Urban Sketching lockerer.

Fotografieren

Neben dem Zeichnen Fotografiere ich auch ganz gerne. Nach etlichen Versuchen mit echten Kameras bleibe ich inzwischen bei meinem Handy als Kamera. Ich habe es immer dabei, die Qualität genügt mir und ich finde die Möglichkeit der diversen Apps ganz gut. Und es geht schnell und spontan, wie eben das Skizzieren.

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Schreibtisch Update

Dieser Beitrag ist im Übrigen auf meinem neuen Schreibtisch bzw. Elektronikanordnung geschrieben. Den in Zukunft möchte ich meine Unterrichtsvorbereitung schwerpunktmäßig auf einem iPad Pro mit Stift (und Bluetooth-Tastatur) machen und dann daraus auch gleich Filme erstellen. Das verbindet dann hoffentlich meinen Spaß den Skizzierens mit der Freude sich neue Dinge für den Unterricht zu überlegen. Und ich habe eine iPad-Hülle von Proper, so dass ich das iPad in verschiedenen Situation – auch im Unterricht mit einer Hand und Stift – benutzen kann.

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Und da Java auf iOS nicht läuft, wechsel ich vielleicht doch auf Python in der kommenden Q11. Dafür muss ich aber noch eine passende Python-IDE für iOS finden, Pythonista könnte da was sein. Und ich brauch noch eine Idee für das Abfilmen des iOS-Bildschirms, um mein Programmieren zu erklären. Aber anscheinend geht das ganz einfach auch ohne irgendwelche Apps über QuickTime und einem verbundenen Mac.

Gymnasium G8 3/4

Es ist mal wieder Sommer und das Schulsystem wird mal wieder geändert. Das heißt, geändert wird es eigentlich nicht, es wird nur noch ungenauer. Eher nach der Variante (freies zitiert nach SZ vom 28.7.16):

„Entscheidet ihr Schulen doch selbst, was ihr umsetzen wollt – G8 oder G9, das ist euer Problem. Und kommt nicht und erwartet Unterstützung, die wird es nicht geben. Ach ja, und der Lehrplan (eigentlich LehrplanPLUS) und die Oberstufe müssen so bleiben.“

Und wenn man dann hört, wie das in manchen Schulen läuft, kommt mir das kalte Grausen. Da werden Schüler die eigentlich ein passables Zeugnis haben und in die 11. Klasse gehen dürfen einfach nochmal in die reguläre 10. Klasse gesteckt, weil sie sich für den G9 Zug entschieden haben. Lerneffekt gleich Null. Die Entscheidung für den G9-Zweig wird dann als Bestrafung gesehen. Was soll das?

Es wäre doch so einfach etwas sinnvolles mit dem zusätzlichen Jahr anzufangen!

Denn das Hauptproblem stellt sich mir, der sowohl G9 als auch G8 unterrichtet hat, wie folgt dar: Es gibt Schüler, die gehören nicht in die 11. und 12. Klasse. Sie haben nicht den Ehrgeiz, das Sitzfleisch, die Reife, den Berufswunsch oder was auch immer. Aber sie gehören nicht dorthin. Um aber eine vernünftige Lehre absolvieren zu können oder auf die FOS zu wechseln, benötigen sie den Realschulabschluss. Was passiert also? Sie bestehen irgendwie die 10. Klasse, haben damit den Realschulabschluss, aber statt wie mit ihnen teilweise besprochen, wechseln sie dann nicht in die Lehre oder gehen auf die FOS, sondern machen am Gymnasium weiter. Sie haben ja die Zulassung bekommen. Und warum sollte sie auch das vertraute Umfeld verlassen.

Die 11. Klasse macht den Unterschied

Und genau das war am G9 besser. Es gab die 11. Klasse. Hier wurde anspruchsvoll unterrichtet, die Schüler lernten in Hausarbeiten, wie man eine Facharbeit (heute Seminararbeit) schreibt. Der Sprachenunterricht war auf einmal ganz anders. Es wurde viel mehr Literatur gelesen und sich mit der aktuellen Situation in anderen Ländern auseinander gesetzt. Grammatik pauken und Vokabeln lernen gab es nur vereinzelt und die Schüler hatten Zeit ihre Lücken zu schließen.

Und Sie hatten Zeit sich und ihr Leben auf die Reihe zu kriegen. Denn mal ehrlich, wenn man als junger Erwachsener erstmal die Pubertät halbwegs lebend überstanden hat, braucht man einfach Zeit sich neu zu orientieren, seinem Leben ein erstes vernünftiges Ziel zu geben. Denn das Ziel „Ich bin einfach mal gegen alles, ich habe Pubertät“ geht zu diesem Zeitpunkt eher nicht mehr. Und mit dem Realschulabschluss in der Tasche hatten die Schüler das Gefühl, dass sie sich auch nichts kaputt machten. Und bei manchen hat sich dann nach einem halben Jahr herausgestellt, dass er oder sie keine Lust mehr auf Schule hat und lieber eine Lehre erstmal machen möchte. Ein anderer findet für sich heraus, dass er Medizin auf einmal ganz spannend findet, weil seine Freundin bei den Sanitätern ist. Und aus einem 3er Schüler in der 10. Klasse wird auf einmal ein 1er Schüler in der 12. und 13. Klasse.

Eine Lehrkonzept Ideensammlung für eine neue 11. Klasse

Ich möchte jetzt hier keinen Lehrplan vom Zaun brechen, dafür kenne ich alle die beeinflussenden Faktoren wie Lehrerzahl, Stundenzahl, Schülerzahl, … zu wenig. Aber ich möchte ein grobes Konzept, eine Ansammlung von Ideen darstellen, um den neuen G9 Schüler eine 11. Klasse anzubieten, die ihnen auch wirklich was bringt und nicht eine Art Strafwiederholung ist.

  1. Die Seminare werden für die G9 Schüler in diese 11. Klasse gelegt. Und zwar jeweils dreistündig, damit sie genauso viel Zeit haben, wie die G8 Schüler. Rücken Sie in die normale Q11/Q12 Stufe auf entfällt ihnen diese Belastung und sie haben die Chance, die entfallenen 4 Schulstunden in für die anderen Fächern zu nutzen.
    Die Berufsorientierung im P-Seminar wird dabei als eigenständiges Fach behandelt. Vielleicht sogar im Rahmen einer Unterrichtsstunde wie „Glück“ oder „Wie gestalte ich mein Leben“ oder ähnliches.

    Bei den nun folgenden Ideen tue ich mich schwerer, da es nicht so einfach ist, Fächer wie Englisch, Deutsch oder Mathematik zu unterrichten, ohne im Stoff weiterzumachen.

  2.  In den sprachlichen Fächern würde ich viel lesen und schreiben lassen. Zusammen mit dem mebis-Lernsystem in Bayern können die Schüler dann auch mit Hilfe des Lehrers lernen die eigenen und die Arbeiten der anderen zu bewerten.
  3. Naturwissenschaftliche Fächer (Chemie, Physik, Bio) würde ich versuchen nahezu fächerübergreifend zu unterrichten. Hierzu könnte man beispielsweise entweder auf den Lehrplan  Biophysik zurückgreifen und diesen weiterentwickeln oder ganz was eigenes machen.
  4. In Mathematik würde ich einfach versuchen, so etwas wie angewandte Mathematik zu unterrichten: Graphentheorie, Numerik, Grundlagen der Vektorgeometrie wie in der Realschule,… Wichtig wäre hier nur, dass im Grunde der Stoff der Klassen 7 bis 10 nochmals angesprochen und wiederholt wird.
  5. Allgemein würde ich versuchen viele Projekte von den Schülern realisieren zu lassen, damit diese in eine größere Eigenständigkeit und Selbstverantwortlichkeit kommen. Den Aussagen wie „Herr Bartling, könnten Sie bitte aufhören es zu erklären und einfach nur so aufschreiben, dass wir es auswendig lernen können.“, sind aus meiner Sicht traurig für einen Oberstufenschüler, aber auch ein Zeugnis unseres Bildungssystems, das solche Schüler hervorbringt.

Soweit meine Ideen und Gedankengänge. Ich denke, dass mit engagierten Lehrern, die dann aber auch öfters eine solche 11. Klasse unterrichten dürfen (man möchte sich ja nicht umsonst, was Neues ausgedacht haben; und außerdem klappt beim ersten Mal vieles noch nicht) eine sinnvolle Umsetzung durchaus möglich wäre. Vielleicht finden sich ja gerade erfahrene Lehrer, die darin nochmal eine neue Herausforderung sehen und all ihr Wissen über Lehrpläne, Prüfungen, Didaktiken und Methoden nun hier zusammenlaufen lassen können. Ich zumindest, würde es gerne machen wollen.

Über eine rege, konstruktive Diskussion würde ich mich freuen.

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