Da ich zum ersten Mal meine Zeichenversuche im Rahmen des sogenannten #urbansketching im Internet zur Schau stelle, freue ich mich natürlich über die positive Resonanz. Denn gezeichnet bzw. skizziert (Neudeutsch: Sketching), habe ich eigentlich schon immer ganz gerne. Aber mein Ehrgeiz hatte mich ausgebremst: Die Porträts sahen weder nach der Person aus, die die vor mir war, geschweige denn prinzipiell nach einem Menschen. Alles war krumm und schief und der Versuch es besser zu machen, stresste mich nur. Bei mir muss immer alles schnell gehen und irgendwie gefühlsmäßig und der Flow muss sich einstellen.

Meine ganzen Hobbies betreibe ich irgendwie so. Egal, ob es nun das Kochen, Ukulele spielen, Laufen oder das leider aufgegebene Fliegen war. Entweder geht es darum Gefühle rauszulassen (Ukulele spielen, laufen) oder möglichst positive Gefühle zu erzeugen (Kochen, Zeichnen).

Besser im Ukulele spielen zu werden und gleichzeitig „es raus zu lassen“, ist im übrigen etwas, was bei mir irgendwie nicht klappt. Ich schramme immer noch so nur über die Saiten, da wird nicht gezupft oder ein Melodienspiel tage- oder sogar wochenlang eingeübt. Gibt es ein Lied, was zu meiner Stimmung passt, suche ich mir die Akkorde im Internet und schrubbe dabei intuitiv den Rhythmus dazu. Beim Laufen gibt es zum Glück so gut wie keine Technik zu beachten. Einfach Schuhe an und loslaufen. Und das möglichst lange.

Beim Punkt Kochen und Zeichnen kann man aber tatsächlich etwas verbessern, ohne das der Spaß und das Gefühl verloren gehen. Spaß und Gefühl werden sogar gesteigert, man muss nur Experimentieren! In diesem Beitrag geht es zunächst ums Kochen, bevor ich im kommenden Beitrag dann noch etwas zum Skizzieren schreiben werde.

Kochen

Beim Kochen zu experimentieren macht wahnsinnig Spaß. Und inzwischen gibt es so viele Ressourcen, die einem das Ausprobieren erleichtern, dass man keine Ausrede mehr hat, es nicht selbst mal zu versuchen. Bei jedem Kochexperiment beachte ich dabei die mir am wichtigsten erscheinende Regel, dass immer alle 4 Geschmacksrichtung (Salz, Süß, Scharf, Sauer) + Fett dazu gehören. Interessant ist nun, wie ich diese Richtungen in das Gericht bekomme. Daher hier vielleicht mal ein paar Anregungen für Austauschungen:

  • Salz
    Eingelegte Kapern, Sardellen, gesalzene Mandeln,…
  • Süß
    Marmeladen, Honig, Nutella/Schokolade, Früchte, Sirup,…
  • Scharf
    Chorizo, Senf, Peperoni, Sambal Oelek, Ingwer,…
  • Sauer
    Essig, Zitrone, Wein, Buttermilch,…

Und manchmal gibt es auch Zutaten, die beides haben: Cola beispielsweise. Eine Currysauce zum Grillen auf Basis einer reduzierten Cola (Süße und Säure) , mit Tomaten, Sambal Oelek (Schärfe) und zerdrückten Sardellen (Salz) und Olivenöl, zuzüglich sehr gutem Currypulver, bildet da nur die Spitze des Eisbergs. Denn nun kommt die Frage: Womit kombinieren? Was passt dazu?

Zum Glück ist da in den letzten Jahren viel an Literatur erschienen, denn was liegt näher als einfach mal alle viele Rezepte mit Hilfe der Informatik zu analysieren (Datenbank, Informatik 9. Klasse). Stellt man das ganze grafisch dar, so kommen Ergebnisse wie „The flavor connection (interactive)“ heraus. Wenn ich es richtig verstanden habe, wurden hier einfach sehr viele Rezepte analysiert und immer wenn zwei Lebensmittel in einem Rezept gemeinsam auftauchten, dann wurden die Stärke der Verbindung der Lebensmittel um 1 erhöht. Man erhält also einen gewichteten, ungerichteten Graphen (Graphen, Informatik 11. Klasse) mit Lebensmittel in den Knoten.

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Wer gerne mehr Hilfe hätte, der kann auch noch das Buch Der Geschmacksthesaurus zu Hilfe nehmen. Hier werden 99 Geschmacksrichtungen miteinander kombiniert und teilweise mit groben Rezepten oder Anekdoten verdeutlicht. Sehr hilfreich, wenn man sich noch nicht so recht traut, aber Anregungen zum Verbrauch des übriggebliebenen Specks im Kühlschrank braucht (-> ein kräftiger, fleischiger Käse ginge da).

Und wem das alles zuviel ist, dem kann ich nur das Buch „Die Lust und ihr Preis“ ans Herz legen (Gebraucht unter 1 Euro + Versand). Bei diesem schönen Wetter eine angenehme Lektüre. Und es ist kein Kochbuch! Aber es geht „um den Sex des Alters“, das Kochen und das Essen. Ein Buch, das ich schon damals, 1996, gerne gelesen habe…