Lehrzeit

Schule & Informatik

Monat: April 2016 (Seite 1 von 2)

Das Leben ist nicht wie eine Schachtel Pralinen…

sondern eher wie die Gurkenauswahl im Supermarkt:

gurken

Man kann eigentlich immer nur das Falsche kaufen, oder nicht? Die Gurken der anderen Firma sind doch bestimmt leckerer. Oder billiger. Oder beides.

Und nicht nur bei den Gurken ist das so:

  • Welche Hose soll ich kaufen? Welches Oberteil? Ich würde doch in dem anderen Teil bestimmt besser aussehen!
  • Welches Auto? Welches Fahrrad? Welches Skateboard?
  • Welches Bier? Das Allerweltsbier aus der Großbrauerei? Oder doch eines aus einer neuen Craft-Brauerei?
  • Welche Marmelade? Erdbeer von dieser oder von jener Firma? Oder doch einfach wieder Nutella?
  • Soll ich meinen Partner heiraten, oder nicht? Vielleicht gibt es ja noch besser passende.
  • Soll ich hier in ziehen oder besser dorthin?
  • Soll ich vegetarisch essen? Oder vegan? Oder paleo?
  • Soll ich ins Fitnessstudio? Oder doch Freeletics machen? Oder doch Crossfit?

Und in Bezug auf die Schule:

  • Welche Kurse soll ich in der Q-Phase der Oberstufe belegen? Tanzen oder Turnen oder Leichtathletik – ich kann doch alles drei nicht!
  • Über welches Thema soll ich meine Seminararbeit schreiben? Und was, wenn das andere Thema eigentlich viel besser wäre?
  • Was soll ich später studieren? Was damit werden? Und was wenn ich arbeitslos werde?

Gerade die letzte Frage beschäftigt mich in meinem aktuell dritten P-Seminar wieder und ich tue mich immer schwerer meinen Schüler zu etwas zu raten. Zum Beispiel an der  TUM. Dort gibt es allein 4 Bachelorstudiengänge im Fach Informatik (Informatik, Wirtsschaftinformatik, Bioinformatik, Games Engineering) und daran schließen sich noch 10 Masterstudiengänge an. Das ergibt theoretisch 40 Kombinationen plus den Lehramtsstudiengang. Und da habe ich gerade mal eine einzige Uni angeschaut. Wenn da jetzt noch Physik als Möglichkeit im Raum steht, wird es schnell unüberschaubar.

Manchen mag diese Vielfalt als Paradies vorkommen, aber wenn man zwingend eine Entscheidung treffen muss, dann kann diese Vielzahl einen schnell überfordern. Genauso wie bei den Gurken:

  • Woher soll ich wissen, ob es die richtigen/leckeren sind?
  • Und wenn ich eine Entscheidung für eine Sorte getroffen habe und die Gurken schmecken mir auch prima, woher weiß ich dann, dass anderen Gurken nicht noch besser wären?

Man hat eigentlich nie das Gefühl, dass man sich richtig entschieden hat, denn aufgrund der Auswahl könnte es ja vielleicht immer noch was besseres geben. Für das Studium würde das heißen:

  • Selbst wenn ich mich für einen Studiengang entschieden habe und merke, dass er mir auch gefällt und ich Erfolg habe. Woher weiß ich dann, dass nicht ein anderer Studiengang oder Beruf mir noch besser gefallen würde und ich noch mehr Erfolg haben würde?

Am Ende bleibt nie das Gefühl, dass man die richtige Entscheidung getroffen hat. Immer bleibt das Gefühl, dass doch noch mehr gehen könnte. Also rennt man los, kauft „How to be happy in 10 easy steps“-Bücher nur um am Ende wieder dazustehen und zu denken „Vielleicht gibt es ein Buch, dass mir noch besser hilft.“ Ein Kreislauf, der nie aufhört und am Ende zum

Burnout durch Sinnsuche

führt, wie ich es mal irgendwo gelesen habe.

Aber wie komme ich aus diesem Kreislauf heraus? Aus diesem Gefühl „Es könnte doch noch was besseres geben?“

Ich weiß es leider auch nicht. Aber ich habe ein paar wenige Ansätze, die mir manchmal helfen:

  • Ich gehe nicht in den Riesen-Mega-Supermarkt, sondern in den kleinen (Bio-)Laden nebenan. Da gibt es nicht soviel Auswahl und ich kann im Laufe der Zeit wirklich das Gefühl bekommen „das für mich richtige Produkt“ gekauft zu haben.
  • Ich überlege mir vor Anschaffungen, an welchen „messbaren“ Merkmalen ich einen für mich guten Kauf erkennen kann. Bei Kleidung können das Farbe, Sitz, Stil sein. Bei Autos der Verbrauch, der Endpreis, die Farbe, ….
  • Beim Studiengang ließe sich die Auswahl dadurch vielleicht einschränken, dass man zunächst erstmal keinen spezialisierten Studiengang (z.B. Games Engineering) belegt, sondern einen allgemeineren Studiengang (z.B. Informatik). Sich später zu spezilisieren ist einfacher als sich später zu verallgemeinern.
    Und ich muss möglichst genau meine Kriterien kennen: Arbeite ich lieber alleine, kreativ, im Team, regelmäßig etc.

Ach ja. Diese ganze Ernährungsgeschichte mit vegetarisch oder vegan oder paleo oder Rohkost etc. ist doch eigentlich auch oft bloß eine künstliche Einschränkung, weil einen die Vielfalt überfordert. Denn woher soll ich wissen, ob das andere Fleisch nicht von einer noch gesünderen, glücklicheren Kuh kommt? Da lässt man es vorsichtshalber mal weg. Dann muss man sich darüber auch keine Gedanken mehr machen. Und besser für die Umwelt ist es auch noch, oder? Ist nur die Frage, ob es dann Soja von gerodeten Urwaldfelder braucht, die einem ein Schnitzel vorgaukeln. Fleisch von „Urwaldkühen“ ist aber auch nicht besser. Dann doch bitte möglichst regional und saisonal kaufen.

Wobei man den Begriff „regional“ auch auf die Spitze treiben kann, wie es im Fall der Schulkantine in Traunstein der Fall war. Aber ich schweife ab.

Programmierbeispiel DB 2

Das Programm über die Bahnhöfe der DB  noch in Python 3.5:

from tkinter import *

#Klasse Bahnhof
class Bahnhof(object):
    def __init__(self, name, breite, laenge):
        self.name = name
        self.breite = float(breite)
        self.laenge = float(laenge)

    def isHbf(self):
        if self.name.find("Hbf")>-1:
            return True
        return False


#Parsen der csv-Datei und Erzeugen der Bahnhöfe
import csv
alleBahnhoefe = []
reader = csv.reader(open("DB_2016.csv"),delimiter=';')
for row in reader:
    alleBahnhoefe.append(Bahnhof(row[2],row[4],row[5]))

#Bestimmen der max/min Breiten und Längen
maxLaenge = 0
for curBahnhof in alleBahnhoefe:
    if curBahnhof.laenge>maxLaenge:
        maxLaenge=curBahnhof.laenge

minLaenge = 10000000
for curBahnhof in alleBahnhoefe:
    if curBahnhof.laenge<minLaenge:
        minLaenge=curBahnhof.laenge

maxBreite = 0
for curBahnhof in alleBahnhoefe:
    if curBahnhof.breite>maxBreite:
        maxBreite=curBahnhof.breite

minBreite = 10000000
for curBahnhof in alleBahnhoefe:
    if curBahnhof.breite<minBreite:
        minBreite=curBahnhof.breite


#Zeichnen der Punkte
master = Tk()
canvas_width = 600
canvas_height = 600
w = Canvas(master, width=canvas_width,height=canvas_height)
w.pack()

#Normale Bahnhöfe in Blau
for curBahnhof in alleBahnhoefe:
    actLaenge = (canvas_width) / (maxLaenge-minLaenge) * (curBahnhof.laenge-minLaenge);
    actBreite = (canvas_height) / (maxBreite-minBreite) * (curBahnhof.breite-minBreite);
    actX = int(actBreite);
    actY = int(canvas_height-actLaenge);
    w.create_oval(actX,actY, actX+5,actY+5, fill="#000000")

#Hauptbahnhöfe in Rot mit Namen (Ersten beiden Buchstaben)
for curBahnhof in alleBahnhoefe:
    actLaenge = (canvas_width) / (maxLaenge-minLaenge) * (curBahnhof.laenge-minLaenge);
    actBreite = (canvas_height) / (maxBreite-minBreite) * (curBahnhof.breite-minBreite);
    actX = int(actBreite);
    actY = int(canvas_height-actLaenge);
    if curBahnhof.isHbf():
        w.create_oval(actX,actY, actX+5,actY+5, fill="#ff0000")
        w.create_text(actX+5,actY+5,text=curBahnhof.name[:2], fill="#ff0000")

mainloop()

Programmieren lernen

Da in der Schule das Programmieren selten über den Stand des Anfangsunterricht herauskommt, spielen reduzierte Entwicklungsumgebungen eine große Rolle im Unterricht. Bei diesen IDEs muss man sich oft nicht um irgendeinen syntaktischen Kleinkram kümmern, sondern kann ganz einfach die gewünschten Elemente hin und her ziehen oder es werden entsprechende Element automatisch ergänzt.

Ein typischer Vertreter ist seit Jahren das Programm Karol. Das Programm ist bereits so alt, dass als Mindestanforderung immer noch Win95 genannt wird. Dennoch wird es immer noch in allen bayerischen Schulen eingesetzt und ist auch ein fester Bestandteil in jedem Informatikbuch in Bayern.

Später tauchte dann Scratch auf und es entbrand ein Streit zwischen den Informatiklehrern in Bayern, welches Programm denn nun besser sei. Gewonnen hat diesen Streit keiner. Die Uni Passau hat aber mal herausgefunden, dass die Reihenfolge „erst Karol und dann Scratch“ besser sei als andersrum. Nach Scratch hat einfach keiner mehr Lust auf das dröge Karol.

Ich für meinen Teil benutze ganz gerne noch Kara von der ETH Zürich, da der Käfer nicht nur in Java, Ruby oder JavaScript programmiert werden kann, sondern auch mit Hilfe von endlichen Automaten und damit quasi grafisch. Außerdem sind in die Software viele Aufgaben mit Lösungen integriert, so das der Lehrer kaum was zu tun hat. Er schlendert im Computerraum herum und hilft den Schüler bei der Löung der Aufgaben.
Und man kann mehrere Karas gleichzeitig laufen lassen und so das Steuern von parallelen Prozessen üben.

Lego kann man ebenfalls grafisch programmieren, wobei ich von der normalen grafischen Programmieroberfläche nur abraten kann. Die Programmierumgebung basiert, glaube ich, auf der Software LabVIEW und ist kaum vernünftig zu benutzen. Meistens werden die Programme sehr schnell sehr groß und Fehler sind nur schlecht zu finden. Zumindest tun sich meine Schüler in der Lego AG da sehr schwer. Auch ich kämpfe mit der Verschaltung der Elemente und hoffe, dass die Anbindung der open-Roberta-Initiative des Fraunhofers-Instituts an die Lego-Roboter bald stabiler wird. Open-Roberta orientiert sich einfach viel stärker an der erfolgreichen Oberfläche von Scratch.

Aber wie der der Titel des Beitrags schon angedeutet hat, kann man nicht nur Roboter  programmieren. Ein verhältnismäßig neues Feld ist das Erstellen bzw. Programmieren von Musik. Vor ein paar Wochen entdeckte ich da für mich die Software SonicPI und jetzt noch PureData.

PureData halte ich dabei nicht wirklich für den Anfangsunterricht geeignet, da das Konzept mit der Vedrahtung von Oszillatoren, Amplifiern, Filtern etc. dann doch recht merkwürdig ist. SonicPI ist da ein wenig einfacher gestrickt, aber auch alles andere als trivial – leider. Immerhin kann man einfach Töne, Lautstärke und Pausen einfach eingeben und so versuchen neue Melodien zu erzeugen oder bekannte Melodien nachzuprogrammieren. Wer Entwicklungsumgebungen noch nicht kennt, sollte diese unbedingt mal ausprobieren. Denn immerhin hätte man so die Möglichkeit die unterschiedlichsten Interessen der Schüler abzudecken.

Später kann man dann alles kreativ miteinander verbinden:

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