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Schule & Informatik

Wann beherrscht man etwas?

Immer wieder hört man von Eltern die Aussage: „Zuhause hat er/sie es aber noch gekonnt!“ Wie reagiert man darauf, wenn dann doch die 5 oder 6 nur herausgekommen ist?

In einem Forum aus dem Internet ist mir jetzt erst so richtig klar geworden, was das Problem ist: Oftmals wird „Können“ mit „Beherrschen“ gleichgesetzt. Was aber so nicht stimmt. Im Grunde gibt es drei Abstufung:

  1. Ich habe es mal gemacht
  2. Ich kann etwas
  3. Ich beherrsche etwas.

Um in einer Prüfungssituation wirklich bestehen zu können, sollte man den Punkt 3 anstreben. Aber worin unterscheiden sich die Punkte eigentlich. Ich versuch es zunächst mit einer Analogie zum Autofahren speziell vielleicht dem Rückwärts einparken in einer Seitenbucht :

  1. Ich habe es mal gemacht würde bedeuten, dass der Fahrlehrer neben mir saß und mir die ganze Zeit sagte, wann ich vorwärt und rückwärts fahren muss. Wann und wie viel ich das Lenkrad einschlagen muss etc.
  2. Ich kann etwas würde heißen, dass ich es ohne Fahrerlehrer und Hilfe kann, aber sehr langsam bin oder umständlich manövriere. Das ganze Manöver benötigt meine volle Aufmerksamkeit.
  3. Ich beherrsche das Rückwärts einparken, wenn ich nebenher mit dem Kind auf der Rückbank dikutieren kann, die Sonderangebote vom Geschäfte sehe, die von hinten ankommenden Autos bemerke, aber dennch in zwei Zügen  fertig bin.

Auf die Schule lässt sich das auch übertragen:

  1. Ich habe es mal gemacht: Wenn der Lehrer es vorrechnet, ich in der Schule fragen kann, jemand bei den Hausaufgaben mir hilft(!), dann schaffe ich es.
  2. Wenn ich zu Hause genügend Zeit habe, und die Möglichkeit habe, meine Lösungen zu kontrollieren, dann kann ich es auch.
  3. Beherrschen würde bedeuten, dass man nebenher Musik hören kann, mit dem Freund oder Freundin nebenher WhatsUppen kann und dennoch in minimaler Zeit fehlerfrei zum richtigen Ergebnis kommt.

Höre ich also den Satz „Zu Hause hat er/sie es noch gekonnt“, habe ich meist das Bild vor Augen, dass a) entweder ein Elternteil dabei saß und mit geholfen hat, wie ein Fahrlehrer (Stufe 1) oder dass b) die Kinder ihren Eltern nur sagen, dass es keine Probleme beim Üben gab, obwohl sie nicht immer die richtigen Ergebnisse herausbekommen (Stufe 1-2) Für eine gute bis sehr gute Note würde ich aber Stufe 3 voraussetzen. Stufe 1 würde der reinen Wiedergabe von Aufgaben aus dem Unterricht bedeuten, wobei eine Prüfung ja nie nur, wenn überhaupt, aus Aufgaben aus dem Unterricht bestehen.

Meine aktuellen Zehntklässler stehen im Rahmen der Programierung übrigens noch auf Stufe 1. Ohne meine Hilfe können Sie es noch nicht. Ein paar wenige sind aber immerhin schon auf Stufe 2 angekommen.

2 Kommentare

  1. Stufe 3 würde ich ersetzen durch „Ich kann es anderen beibringen/erklären“.

  2. metalhörender Lateinlehrer

    26. Dezember 2014 at 18:39

    Es kommt gerade in den Sprachen noch eine weitere Sache hinzu. Häufig sagen die Eltern: „Ja, als ich ihn gestern abgefragt habe, da hat er die Wörter noch gewusst.“ Das mag prinzipiell sein, aber oft wird von den Kindern dabei getrickst. Kurz vor der „Abfrage“ von Mama oder Papa werden die Wörter noch einmal angeschaut und dann klappt es auch. Wenn der Lehrer dann am nächsten Tag abfragt und man hatte vorher keine Pause (oder eine Stunde, woman unter der Bank…), dann klappt es nicht. Dazu kommt noch, dass die Eltern z.B. nur Englisch-Deutsch fragen, immer die gleiche Reihenfolge, nur mit einer Bedeutung zufrieden sind etc. pp. Da hilft nur Kommunikation ;-)!

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