Lehrzeit

Schule & Informatik

Learning by doing

Mein Lieblings-Professsor hat mal wieder etwas auf seinem Blog geschrieben, dass ich für sehr wichtig halte: Programmieren zu lernen ist schwierig, dauert lange und hört nie auf.

Eigentlich das nichts neues. Aber ich erlebe immer wieder Schüler, die nichts tun, weil sie es ja verstanden haben. Kommen dann die Prüfungen und Projekten, so scheitern die Schüler, weil sie es nie gemacht haben. Es ist einfach anders als in der Mathematik. In Mathematik – zumindest in der Schule – kann man viel auch durch „bloßes verstehen“ schon können. Hat man das Verfahren der Polynomdivision verstanden, kann man es auch ohne Übung anwenden. Vielleicht nicht in allen denkbaren Fällen hundertprozentig und immer richtig, aber ein 2er kann da schon rauskommen. In der Informatik ist das anders. Informatik hat für mich eher etwas von Musik. Ich versuch mal einen Vergleich:

  1. Datentypen würden den Noten ensprechen
  2. Klassen wären vielleicht so etwas die Tonarten
  3. Programmstrukturen (Schleifen, Verzweigungen) könnten Akkorde sein
  4. Entwurfsmuster könnte man mit bestimmten Liedstrukturen oder Akkordfolgen zuordnen.

Aber selbst, wenn ich diese drei Dinge verstanden habe, kann man weder programmieren noch eine Lied komponieren.

Möchte man ein trauriges Lied komponieren, nimmt man z.B. die Akkordfolge I-IV-V-V und eine Molltonart ( autochord.com ). Bei A-Moll, der Moll-Parallelen zu C-Dur, wäre das dann Am-Dm-Em-Em. Aber deswegen habe ich immer noch keinen Hit und schon gar nicht unbedingt etwas trauriges. Mit I-IV-V fängt nämlich auch Waterloo von ABBA an ( hooktheory.com ).

Und selbst wenn man eine passende Akkordfolge/Entwurfsmuster/Klassenstruktur gefunden hat, hat man noch nicht die Melodie bzw. die Klassen mit all ihren Attributen und Methoden umgesetzt.

Prof. Bry schreibt auf seinem Blog im Übrigen:

Programmieren und programmieren lernen ist nicht zeitaufwändig, sondern sehr zeitaufwändig.(…)Das gilt für alle, junge, ältere, erprobte Programmierer und Anfänger – ohne Ausnahme.

(…)

Die Welt der Informatiker ist wie eine Reise durch eine viel multikulturelle Galaxie,(…)Der Reisende in der Programmier-Galaxie muss aber ständig lernen, wenn er seine Reise fortsetzen können möchte – ein Leben lang.

Ein anderer passender Vergleich wäre im Übrigen Kunst. Nur weil ich weiß, wie man einen Pinsel zu halten hat, welche Farben zusammenpassen, wie ein Bild aufgebaut wird, bin ich noch kein van Gogh.

Fremdsprachen bringe ich immer nur ungern als Vergleich, da Fremdsprachen viel mehr Vokabeln und Grammatikregeln haben als Computersprachen.

2 Kommentare

  1. Danke für den Hinweis auf den schönen Artikel. Es erinnert mich an die schöne Erklärung aus SICP: https://www.youtube.com/v/zQLUPjefuWA?fs=1&hl=de_DE

    • Ein toller Film. Mir gefallen die ersten Minuten besonders. Wenn ich mal wieder den 7.Klässlern das Fach Informatik vorstelle, werde ich mit „Informatik, also Computer Science im Englischen, hat NICHTS mit Science/Wissenschaft zu tun und nichts mit Computer. Es geht um die Beschreibung von Abläufen und das Organisieren von komplexen Abläufen, die man nicht alle überblickt. Gerade so, also würde ich mit ein paar meiner Freunde eine riesige Halloween-Party organisieren wollen.“ Um diese Komplexität sichtbar zu machen, gibt es dann Klassendiagramme, Sequenzdiagramme, etc Und die einzelnen Teilelemente werden dann mit Struktogrammen und Java genauer beschrieben.

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