Lehrzeit

Schule & Informatik

Gamification in der Lehre?

Gerade sitze ich am Entwurf eines P-Seminars für die aktuellen 10-Klässler und mich beschleicht so langsam das Gefühl, das wir uns alle zusehends in einem Matrix-ähnlichen Spiel befinden.

Zunächst mal für die mitlesenden Nicht-Bayern: Ein P(rojekt)-Seminar begleitet die 11.- und 12.-Klässler über 18 Monate hinweg. Dabei sollen die Schüler neben den Grundlagen des Projektmanagements auch eine berufliche Orientierung entwickeln, um so die Abbrecher-Quote an der Uni zu verringern. Hierfür werden uns Lehrern Materialien an die Hand die gegeben, die aber leider von den Schülern nicht so angenommen werden, wie sie gedacht sind. Es bleibt dann doch oft bei Besuchen an Unis, Bibliotheken und Berufspräsentationen hängen. Gerade letztere sind wichtig, denn wir müssen die Arbeit der Schüler auch bewerten – was ich gerade bei solch einem Thema allerdings für schwierig halte.

Abgesehen von der möglicherweisen beruflichen Orientierung arbeiten die Schüler aber vor allem an Projekten. In meinem Fall sollen das klassische Spielautomaten aus Holz mit alten Computern werden, wie man sie aus den Spielhallen der 80er kennt. Ich erhoffe mir dadurch eine Bewusstwerdung der Gefahren und Möglichkeiten von Computerspielen und am Ende natürlich schöne Spiele zum Spielen.

Typisch für gute Spiele sind dabei Spielfiguren, die im Laufe des Spiels Punkte…..

(Hier kam jetzt ein 10-Minütiger Stromausfall mit anschließendem Kauf einer neuen Fritzbox, einem halbstündigen Suchen nach den Zugangsdaten – unbedingt besser aufheben – und einer 1 stündigen Telefon- und Internetkonfiguration)

Also nochmal… Typisch für gute Spiele sind Spielfiguren, die im Laufe des Spiels Punkte sammeln; verschiedene Schwierigkeitslevel erreichen, wenn ein andere Level erfolgreich abgeschlossen wurden; die Figuren erlangen verschiedene Fähigkeiten und Werkzeuge, die sie aber zum erfolgreichen Abschneiden bei höheren Leveln benötigen; es gibt Highscore-Listen und man kann sich mit anderen zusammentun, um Aufgabenstellungen zu lösen.

Und wie sieht das in der Schule aus? Ich versuche mal einen Vergleich:

Aspekt An der Schule Diskussion
Sammeln von Punkten Nein Das entspricht wohl am ehesten den Credits an der Uni. An der Schule gibt es so etwas in der Regel nicht. Am ehesten noch in der Grundschule: Hat man 40 Sterne gesammelt, darf man was aus der Schatzkiste nehmen.
Durchlaufen verschiedener Level Jein Das entspricht wohl den Jahrgangsstufen. Das Problem dabei ist, das an der Schule vorausgesetzt wird, dass man alle Fächer gleich gut und schnell abarbeitet, was eigentlich eher unwahrscheinlich ist. Hier wäre eine entsprechende Kursaufteilung vielleicht sinnvoll, aber auch entsprechend aufwändig zu organisieren und aufgrund  der unterschiedlichen Entwicklungsstufen problematisch.
Zunehmende Fähigkeiten Jein Die Fähigkeiten nehmen mehr oder wenig automatisch zu, da man immer mit neuen Sachen konfrontiert wird. Aber Fähigkeiten wie „Schwertkampf“ von * auf ***** hochgearbeitet, gibt es nicht. Da nützt auch das ganze Kompetenzgerede nichts.
Bessere Werkzeuge Nein Mal abgesehen vom Taschenrechner in der 7. Klasse, den man dort aber eigentlich nicht braucht, gibt es keine Werkzeuge. Warum eigentlich nicht? Warum nicht etwas Tablets für die Oberstufenschüler?
High-Score Listen NEEEIIIIIINNNNN Man stelle sich das vor: Auf dem digitalen Vertretungsplan liefe folgender Ticker: „Bester Schüler: 5. Klasse Anton Albrecht (1,11), 6. Klasse Berta Best (1,05), 7. Klasse Cäsar Crempf (1,38),….“ Oder neben der Lehrerzimmer hinge ein Bild mit dem Lehrer der Woche/Monats/Semester…. Alleine die Dikussion wegen des Datenschutzes – das will ich mir gar nicht vorstellen.
Gruppenbildung Nochmals NNEEEEIIINN Bei facebook/google+/Wordpress eine Gruppe bilden – geht gar nicht! Und Gruppen bei moodle sind bislang wegen der schwierigen Nutzung über Smartphones und Tablets noch recht zäh.

Manche Paralellen sieht man also schon recht gut, während andere vielleicht bewusst blockiert werden. Ob nun eine Entwicklung hin zur Gamification gut oder schlecht ist, dazu muss sich jeder selbst eine Meinung bilden. Ich für meinen Teil denke aber, dass eigentlich jeder Mensch gerne spielt und man dies ruhig bewusster nutzen sollte.

Aber hat das nicht alles dennoch was von Matrix – das Leben, auch nur das Schulleben ist, als Spiel bei dem von außen die Rollen und Regeln vorgegeben werden?

2 Kommentare

  1. metalhörender Lateinlehrer

    31. Oktober 2013 at 12:26

    Hi,

    coole Idee. Wie wäre es noch mit den Cheat-Codes (abstruse LRS / Legasthenie Bescheinigungen), mehrere Leben (Wiederholen?), Levelendgegener (Zeugnis, Abitur) und neuerdings auch Bosskey zum Verschwinden (individuelle Lernzeit?). Auf welchem System läuft eigentlich Dein Game? Windows G8?…
    Die Parallelen sind gewaltig…

    • Windows G8 – das ist es …. warum bin ich da eigentlich nicht früher draufgekommen? Was sind eigentlich dann wir Lehrer – Monster, Zombies, Elfen, …. Oder spielen wir unser eigenes Spiel in einer Art Parallelwelt? Level wären dann vielleicht Student, Referendar, StR, OStR und StD bzw. OStD erreicht ja eh kaum einer. Aber welche Kompetenzen und Fähigkeiten eignen wir uns dann an? Dauerkorrigieren? Fahrtenplanung? Neeee….irgendwie befinde ich mich nicht wirklich in einem Spiel.

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