Lehrzeit

Schule & Informatik

Kompetenzen

Hier nun  meine ausführliche Antwort zu einem Kommentar beim vorangeganen Beitrag:

Zum Thema Effekt-Schau: Auch wenn ich mir manchmal wie im Zirkus vorkomme, das auch bewusst vor allem im Physikunterricht versuche, ist eine Effektschau eher störend. Aber wo bitte ist der Unterschied, wenn man eine statische Karte statisch mit Hilfe des Beamers zeigt. In meinen Augen ist wahrscheinlich so etwas abgelaufen:

„Ich müsste zum Arbeitsblatt noch die Europakarte zeigen…Da ist zwar ein Computer, aber wie muss ich mich da nochmal anmelden?…Und wenn ich Google Earth gar nicht installiert ist… Oder das Netzwerk nicht funktioniert… Oder der Beamer defekt ist… Neee ich hol mir lieber vorsichtshalber die Karte.“

Und diesen Gedankengang, kann ich absolut verstehen. Ich misstraue auch den Computern, Beamern, Netzwerken, da ich als Systembeteuer weiß, wie spontan die Geräte Probleme machen könnnen und dann steht man da. Ich überlege mir daher immer eine Option. Man hätte also die Karte als Option – für den Fall der Fälle – mitnehmen können, aber dann stünde sie noch im Eck.

Die Art und Weise, wie an unseren Schulen Computer und digitale Tafeln eingeführt wurden und werden ist, wie ich beim Kommentar von Herrn Rau auch schon schrieb, unter aller Kanone. Zusammen mit dem blockierenden Urhebergesetz und der, ich nenne es mal, facebook-Problematik, ist ein erfolgreiche Integration der neuen Technik einfach nicht möglich. Da wird der Wechsel des moodle-Systems im kommenden Jahr auf ein anderes System auch nicht helfen, sondern eher noch ein paar Lehrer, die sich endlich an moodle herantrauten wieder verschrecken.

John Hattie…Ja, sein Buch habe ich auch „gelesen“ bzw. die Stellen herausgepickt, die ich interessant fand. Daher vielleicht noch dies als meine persönliche Anmerkung: Die immer weiterführende Kompetenz-Orientierung – was immer damit genau vom KM gemeint ist – setzt in meinen Augen doch eigentlich voraus, dass ich Wissen habe und anwenden kann. Im Sinne von

Wissen + Erfahrung = Kompetenz.

Da Erfahrung aber Zeit kostet, der Lehrplan nicht konsequent genug entschlackt wurde, muss ich die benötigte Zeit bei der Wissenvermittlung einsparen. Dies wird durch moderne Medien versucht, was aber leider nicht gelingt. Das ist auch in meinen Augen der Grund, warum Jungs langsam aber sich in der Schule ins Hintertreffen im Vergleich zu den fleißigeren Mädchen gelangen: Die Mädchen lernen eher zu Hause den Stoff der Schule nach, während Jungs nur das Notwendigste machen, um dann ihre Sozialkompetenz beim Sport zu erhöhen, ihre Spielkompetenz (gibt es so etwas überhaupt?) vor dem Computern, ihre Musikkompetenz beim Proben mit der Band, etc.

Würde man die Neuen Medien zum Beispiel geschickt integrieren, so könnte man die Jungs auch wieder mehr abholen und sie würden nicht so langsam aber sicher zum Verlierer des Systems werden (Zeit, SZ: Warum Jungen schlechter Noten bekommen) .

1 Kommentar

  1. Metalhörender Lateinlehrer

    27. Oktober 2013 at 09:20

    Oh weh ich schon wieder… Diesmal wirds aber kürzer – versprochen!
    Ich gebe Dir vollkommen Recht, dass Kompetenz Wissen voraussetzt. Was ist dann aber Kompetenz wert, wenn Sie v.a. auf Erfahrung basiert, die der Zeit und den Umständen unterworfen ist? Wo steuern wir dann hin? Aber ohne Wissen ist auch die schönste, mit blumigen und wenig aussagekräftigen Namen versehene Kompetenz nur ein leere Hülse! Hart formuliert: Schöne Oberfläche, aber nichts dahinter. Ich weiß, auch Wissen ist einem steten Wandel unterworfen, aber erstens nicht in dem Maße wie Erfahrung, und zweitens keinesfalls so subjektiv und damit irgendwo eine Grundbasis des menschlichen Zusammenlebens. (Bsp.: Lektüre eines Buches: Die Interpretation einer Stelle stezt neben Erfahrung mit den Methoden und der Gattung v.a. aber fundiertes Hintergrundwissen voraus, damit ich dem Text an sich innerhalb seines kulturellen Kontextes gerecht werden kann. Ansonsten ist es mein subjektiver Eindruck, der auch interessant sein kann, aber eben nicht alles sein darf. Gilt übrigens auch für Musik, Kunst, Philosophie, you name it! Selbst Metal-Songs …) Logisches aber auch assoziatives Denken, tiefere Zusammenhänge und Parallelen zwischen unterschiedlichen Stoffgebieten erkennen und daraus evtl. gar noch Rückschlüsse auf die individuelle Wirklichkeit ableiten setzt Wissen voraus, also eine Kenntnis von bisher bereits „Gedachtem“. Da hilft mir in letzter Instanz die Erfahrung wenig…

    Übrigens: Großes Lob für Deinen Blog, der Interessantes und Quergedachtes bringt! Top! Gratias tibi ago maximas!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

© 2017 Lehrzeit

Theme von Anders NorénHoch ↑