Lehrzeit

Schule & Informatik

Monat: Oktober 2013 (Seite 1 von 3)

Gamification in der Lehre?

Gerade sitze ich am Entwurf eines P-Seminars für die aktuellen 10-Klässler und mich beschleicht so langsam das Gefühl, das wir uns alle zusehends in einem Matrix-ähnlichen Spiel befinden.

Zunächst mal für die mitlesenden Nicht-Bayern: Ein P(rojekt)-Seminar begleitet die 11.- und 12.-Klässler über 18 Monate hinweg. Dabei sollen die Schüler neben den Grundlagen des Projektmanagements auch eine berufliche Orientierung entwickeln, um so die Abbrecher-Quote an der Uni zu verringern. Hierfür werden uns Lehrern Materialien an die Hand die gegeben, die aber leider von den Schülern nicht so angenommen werden, wie sie gedacht sind. Es bleibt dann doch oft bei Besuchen an Unis, Bibliotheken und Berufspräsentationen hängen. Gerade letztere sind wichtig, denn wir müssen die Arbeit der Schüler auch bewerten – was ich gerade bei solch einem Thema allerdings für schwierig halte.

Abgesehen von der möglicherweisen beruflichen Orientierung arbeiten die Schüler aber vor allem an Projekten. In meinem Fall sollen das klassische Spielautomaten aus Holz mit alten Computern werden, wie man sie aus den Spielhallen der 80er kennt. Ich erhoffe mir dadurch eine Bewusstwerdung der Gefahren und Möglichkeiten von Computerspielen und am Ende natürlich schöne Spiele zum Spielen.

Typisch für gute Spiele sind dabei Spielfiguren, die im Laufe des Spiels Punkte…..

(Hier kam jetzt ein 10-Minütiger Stromausfall mit anschließendem Kauf einer neuen Fritzbox, einem halbstündigen Suchen nach den Zugangsdaten – unbedingt besser aufheben – und einer 1 stündigen Telefon- und Internetkonfiguration)

Also nochmal… Typisch für gute Spiele sind Spielfiguren, die im Laufe des Spiels Punkte sammeln; verschiedene Schwierigkeitslevel erreichen, wenn ein andere Level erfolgreich abgeschlossen wurden; die Figuren erlangen verschiedene Fähigkeiten und Werkzeuge, die sie aber zum erfolgreichen Abschneiden bei höheren Leveln benötigen; es gibt Highscore-Listen und man kann sich mit anderen zusammentun, um Aufgabenstellungen zu lösen.

Und wie sieht das in der Schule aus? Ich versuche mal einen Vergleich:

Aspekt An der Schule Diskussion
Sammeln von Punkten Nein Das entspricht wohl am ehesten den Credits an der Uni. An der Schule gibt es so etwas in der Regel nicht. Am ehesten noch in der Grundschule: Hat man 40 Sterne gesammelt, darf man was aus der Schatzkiste nehmen.
Durchlaufen verschiedener Level Jein Das entspricht wohl den Jahrgangsstufen. Das Problem dabei ist, das an der Schule vorausgesetzt wird, dass man alle Fächer gleich gut und schnell abarbeitet, was eigentlich eher unwahrscheinlich ist. Hier wäre eine entsprechende Kursaufteilung vielleicht sinnvoll, aber auch entsprechend aufwändig zu organisieren und aufgrund  der unterschiedlichen Entwicklungsstufen problematisch.
Zunehmende Fähigkeiten Jein Die Fähigkeiten nehmen mehr oder wenig automatisch zu, da man immer mit neuen Sachen konfrontiert wird. Aber Fähigkeiten wie „Schwertkampf“ von * auf ***** hochgearbeitet, gibt es nicht. Da nützt auch das ganze Kompetenzgerede nichts.
Bessere Werkzeuge Nein Mal abgesehen vom Taschenrechner in der 7. Klasse, den man dort aber eigentlich nicht braucht, gibt es keine Werkzeuge. Warum eigentlich nicht? Warum nicht etwas Tablets für die Oberstufenschüler?
High-Score Listen NEEEIIIIIINNNNN Man stelle sich das vor: Auf dem digitalen Vertretungsplan liefe folgender Ticker: „Bester Schüler: 5. Klasse Anton Albrecht (1,11), 6. Klasse Berta Best (1,05), 7. Klasse Cäsar Crempf (1,38),….“ Oder neben der Lehrerzimmer hinge ein Bild mit dem Lehrer der Woche/Monats/Semester…. Alleine die Dikussion wegen des Datenschutzes – das will ich mir gar nicht vorstellen.
Gruppenbildung Nochmals NNEEEEIIINN Bei facebook/google+/Wordpress eine Gruppe bilden – geht gar nicht! Und Gruppen bei moodle sind bislang wegen der schwierigen Nutzung über Smartphones und Tablets noch recht zäh.

Manche Paralellen sieht man also schon recht gut, während andere vielleicht bewusst blockiert werden. Ob nun eine Entwicklung hin zur Gamification gut oder schlecht ist, dazu muss sich jeder selbst eine Meinung bilden. Ich für meinen Teil denke aber, dass eigentlich jeder Mensch gerne spielt und man dies ruhig bewusster nutzen sollte.

Aber hat das nicht alles dennoch was von Matrix – das Leben, auch nur das Schulleben ist, als Spiel bei dem von außen die Rollen und Regeln vorgegeben werden?

Kompetenzen

Hier nun  meine ausführliche Antwort zu einem Kommentar beim vorangeganen Beitrag:

Zum Thema Effekt-Schau: Auch wenn ich mir manchmal wie im Zirkus vorkomme, das auch bewusst vor allem im Physikunterricht versuche, ist eine Effektschau eher störend. Aber wo bitte ist der Unterschied, wenn man eine statische Karte statisch mit Hilfe des Beamers zeigt. In meinen Augen ist wahrscheinlich so etwas abgelaufen:

„Ich müsste zum Arbeitsblatt noch die Europakarte zeigen…Da ist zwar ein Computer, aber wie muss ich mich da nochmal anmelden?…Und wenn ich Google Earth gar nicht installiert ist… Oder das Netzwerk nicht funktioniert… Oder der Beamer defekt ist… Neee ich hol mir lieber vorsichtshalber die Karte.“

Und diesen Gedankengang, kann ich absolut verstehen. Ich misstraue auch den Computern, Beamern, Netzwerken, da ich als Systembeteuer weiß, wie spontan die Geräte Probleme machen könnnen und dann steht man da. Ich überlege mir daher immer eine Option. Man hätte also die Karte als Option – für den Fall der Fälle – mitnehmen können, aber dann stünde sie noch im Eck.

Die Art und Weise, wie an unseren Schulen Computer und digitale Tafeln eingeführt wurden und werden ist, wie ich beim Kommentar von Herrn Rau auch schon schrieb, unter aller Kanone. Zusammen mit dem blockierenden Urhebergesetz und der, ich nenne es mal, facebook-Problematik, ist ein erfolgreiche Integration der neuen Technik einfach nicht möglich. Da wird der Wechsel des moodle-Systems im kommenden Jahr auf ein anderes System auch nicht helfen, sondern eher noch ein paar Lehrer, die sich endlich an moodle herantrauten wieder verschrecken.

John Hattie…Ja, sein Buch habe ich auch „gelesen“ bzw. die Stellen herausgepickt, die ich interessant fand. Daher vielleicht noch dies als meine persönliche Anmerkung: Die immer weiterführende Kompetenz-Orientierung – was immer damit genau vom KM gemeint ist – setzt in meinen Augen doch eigentlich voraus, dass ich Wissen habe und anwenden kann. Im Sinne von

Wissen + Erfahrung = Kompetenz.

Da Erfahrung aber Zeit kostet, der Lehrplan nicht konsequent genug entschlackt wurde, muss ich die benötigte Zeit bei der Wissenvermittlung einsparen. Dies wird durch moderne Medien versucht, was aber leider nicht gelingt. Das ist auch in meinen Augen der Grund, warum Jungs langsam aber sich in der Schule ins Hintertreffen im Vergleich zu den fleißigeren Mädchen gelangen: Die Mädchen lernen eher zu Hause den Stoff der Schule nach, während Jungs nur das Notwendigste machen, um dann ihre Sozialkompetenz beim Sport zu erhöhen, ihre Spielkompetenz (gibt es so etwas überhaupt?) vor dem Computern, ihre Musikkompetenz beim Proben mit der Band, etc.

Würde man die Neuen Medien zum Beispiel geschickt integrieren, so könnte man die Jungs auch wieder mehr abholen und sie würden nicht so langsam aber sicher zum Verlierer des Systems werden (Zeit, SZ: Warum Jungen schlechter Noten bekommen) .

Moderner Unterricht

Da denkt man über den Einsatz von (i)Pads, Beamern, Internet nach, zerbricht sich über rechtliche Probleme im Zusammenhang mit facebook den Kopf und sieht dann das:IMG_2186

Anstatt das die modernen Medien eingesetzt werden, wird auf altes Zurückgegriffen. Das zeigt in meinen Augen nur, dass …

  • noch zu wenig Kollegen vielleicht die Alternativen kennen,
  • oder das die Hardware nicht immer soooo funktioniert,
  • oder man noch keine Idee hat, wie man seinen Unterrichtsstil an die Neuen Medien anpassen soll.

Für den ersten Fall kann ich mal vorsorgen:

Eine Alternative zu den alten Karten wären:

Das mit der Hardware kann natürlich passieren. Ich wäre daher für die Variante: Jeder Lehrer in regelmäßigen Abständen ein Laptop gestellt, so wie ein Dienstwagen. Dabei darf man aus verschiedenen Modellen (Apple/PC-Laptop, Tablet) auswählen und nach 5 Jahren bekommt man – wenn man will – ein neues. Die Schule stellt nur die Hardware zur Verfügung.

Das gibt dann den Systembetreuern auch wieder mehr Zeit sich über den optimalen Einsatz der Neuen Medien im Unterricht der verschiedenen Fächern und Lehrer Gedanken zu machen und SchiLFs (Schulinterne Lehrerforbildungen) anzubieten.

Ältere Beiträge

© 2017 Lehrzeit

Theme von Anders NorénHoch ↑