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Schule & Informatik

Datenschutz 2013 – oder was man alles wissen darf

Vor ein paar Tagen hat die Schule angefangen und der Alltag hat mich schon wieder voll im Griff, sowohl als Lehrer als auch als Systembetreuer: Passwörter eingeben, Server neu einstellen, einen neuen Fachraum einrichten mit zwei Laptops und Drucker einstellen usw. usw. Als Lehrer geht es da verhältnismäßig entspannt daher. Zumindest, wenn man wie ich, keine Klassenleitung hat. Da werden in der ersten Stunde (ich hab dieses Jahr eigentlich nur Info) vor allem Informationen verteilt:

  • Was in diesem Jahr gemacht wird: Excel….DB….Java…
  • Welche Hefte man braucht: Keines…Schnellhefter genügt.
  • Wie die Noten gemacht werden: Mehrheitlich Projektarbeit. Bei Java auch mal eine Stegreifaufgabe oder Kurzarbeit.

Für die Nichtbayern: Stegreifaufgaben sind unangekündigte, schriftliche Tests über maximal 20 Minuten, die den Stoff der letzten beiden Stunden und Grundwissen prüfen dürfen. Hat ein Schüler in einer der beiden letzten Stunden gefehtl, so braucht er nicht mitzuschreiben. Im Vergleich dazu wird bei einer Kurzarbeit, Arbeitszeit 30 Minuten, der Stoff der letzten 10 Stunden abgeprüft und jeder muss mitschreiben, da genügend Zeit zum Nachlernen war. Bei Noten gehen in die mündliche Note ein. Da das wenig Sinn macht, spricht man bei uns inzwischen auch von kleinen und großen Leistungsnachweisen. Mündliche Noten, Projektarbeitsnoten, Stegreifaufgaben und Referate etc. sind kleine Leistungsnachweise, Schulaufgaben bzw. Klassenarbeiten sind große.

Jetzt aber weiter mit der 1. Stunde:

  • Die Accounts werden geprüft: Jeder muss sich mal anmelden.
  • Es werden Gruppen gebildet für den Fall, dass man mal in einen Raum mit weniger Computern kommt, dann kann man trotzdem weiterarbeiten.
  • Und es wird ein Sitzplan gemacht, der allerdings wenig bringt, da die Schüler entweder in der Mitte des Raums sitzen, um zur Tafel zur schauen oder außen rum, um an den Computern zu arbeiten. Daher mache ich immer noch Fotos….

„Aber sie dürfen doch gar keine Fotos machen…Daaaatenschuuuuuutz!“, hörte ich gleich die ersten Rufe.

Warum darf ich als Lehrer keine Fotos mehr für einen Sitzplan machen? Weil die Schüler Angst haben, ich verwende die Fotos gegen sie? Warum sollte ich. Ich bin Beamter und habe aufgrund meines Amteids mich auch viele, viele Dinge zu halten. Warum macht man mir das Leben dann so unnötig schwer? Okay, ich kann ein Schreiben aufsetzen und mir von den Eltern bestätigen lassen, dass ich ein Foto machen darf. Aber was ist das für ein Verwaltungsaufwand! Und das nur wegen eines Sitzplans! Und auch nur, weil ich in den zwei Unterrichtsstunden pro Woche und pro Klasse ewig brauche, um alle Schüler kennenzulernen.

Und das kann man ja weiterspinnen: Ich darf ja auch keine personenbezogenen Daten auf meinen Computer haben. Also darf ich den Sitzplan auch nicht mit dem Computer machen. Oder wenn ich ihn gemacht habe, muss ich ihn gleich wieder löschen.

Aber wie sieht es eigentlich überhaupt mit Namen aus? Darf ich die wirklich kennen? Was ist, wenn ich Vorurteile gegenüber dem Schüler wegen des Namens habe?

„Ahhh…noch einer aus der Familie…bestimmt bist du auch auch gut in Mathe!“ „Du weißt nicht, wie man deinen Nachnamen schreibt…in der 6. Klasse…musstest du auch noch nicht… okaaaaayyyyy.“

Vielleicht sollte man auch nicht das Geschlecht der Schüler kennen: Jungs sind besser in Mathe, Mädchen sind fleißiger – wobei sich letzteres bei der letzten Nachprüfung bestätigt hat. Alle Mädchen haben bestanden, alle Jungs sind durchgefallen.

Und für die Schüler ist es andersherum genauso: „Och nööö, wir haben DEEEEEN….dann kann ich meine Noten gleich vergessen.“ „Super, der hat selber auch keinen Bock mehr und zeigt nur Filme. Das wird ganz gechillt.“

Und dann die Notenvergabe: Wenn ich einem Schüler eine schlechte Note gebe, bestätige ich ihn doch nur im Schlechtsein. Und auch, wenn ich einem schlechten Schüler helfe, wird er doch erstmal in seinem Schlechtsein bestätigt. Deswegen gibt es bei uns auch keine Gruppenbildung in gute und schlechte Schüler für den Intensivierungsunterricht. Denn es kann nicht angehen, dass die guten gefördert werden und den schlechteren Schülern geholfen wird. ZIel ist doch das Mittelmaß – Chancengleichheit für alle. Und das geht nur, wenn alle gleich sind, denn nur dann haben alle die gleiche Chance.

Ich bin daher dafür, dass die Schüler während der Unterrichtszeit sich den Stoff über Videos fremder Lehrer selbst beibringen und die Prüfungen am Ende des Jahres zentral gestellt werden, wobei jeder Schüler, wie an der Uni, nur über eine Nummer identifiziert werden kann.

Aber jetzt genug davon, ich muss Schülernamen im Server einpflegen (Datenschutz?), Unterricht vorbereiten (Ja keine fremde Materialien benutzen) und Sitzpläne mit der Hand schreiben…vielleicht sollte ich die Schüler ja zeichnen.

Ergänzung: Wer es genau wissen will, kann hier nachlesen.

5 Kommentare

  1. Ich kann nur beipflichten. Vor allem 2013 hab ich das gemerkt. Wir hatten im Jahresbericht bisher immer Klassenfotos mit Namenzuweisung der Schüler. Das hatte für mich als Lehrer immer auch den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass ich über die Ferien anhand der Klassenfotos die Schülernamen meiner Klassen fürs nächste Schuljahr lernen konnte, was für mich auch eine Form der persönlichen Wertschätzung ist. Es machte schon einen Unterschied, ob man als Klassleiter in die neue Klasse geht und die Schülerin schon mit „Emilia“ anreden kann anstatt mit „Du da hinten mit den Zöpfen“. Schade.

  2. Ich habe meinen Schülern gestern erklärt, dass ich sie nicht ohne schriftliche Erlaubnis der Eltern für den Sitzplan fotografieren darf (und ihre eigene teilweise dazu), und dann habe ich sie für den Sitzplan fotografiert. Alles andere wäre affig.

    • Ich finde einfach, dass insgesamt zu viel reguliert wird. Natürlich soll mit den Daten der Schüler kein Schindluder getrieben werden. Aber ich denke doch mal, dass jeder normale Lehrer das auch berücksichtigt.

      Aber inzwischen habe ich auch Bedenken bei dem ein oder anderen: Früher habe ich die Fotos in der 7. Klasse dann benutzt, um kleine Internetseiten zu programmieren. Das Rahmenthema war HTML und die Schüler programmierten was ihr Hobby ist, ihr Libelingsessen, etc… Das Ganze wurde dann im Intranet veröffentlich und konnte dort von innerhalb der Schule von jedem Schüler und Lehrer angeschaut werden. Das würde ich inzwischen nicht mehr machen.

      Es fehlt einfach inzwischen das normale Mittelmaß. Im Moment geht es eher nach der Melodie: Erstmal alles verbieten, erlauben kann man dann später noch. So wie man als Referendar lernt: Bei einer neuen Klasse muss man erstmal die Zügel eng halten, später kann man dann im entsprechenden Maße freigeben. Ich habe das selbst nicht geschafft. Ich bin wie ich bin und authemtisch zu sein ist mir wichtiger. Und die Schüler sollte mich inzwischen auch soweit kennen, dass ich keine Fotos oder Infos im Netz verbreite: Keine Namen, keine Gesichter, weder von meinen Kindern noch von meinen Schülern.

  3. Frau Henner frauhenner.blogspot.com

    29. September 2013 at 14:33

    Ich nehme an, dass sich das wieder beruhigt. Die Vernunft wird einiges regeln. Ich erinnere mich an eine Zeit meiner eigenen Schulzeit! Da durften auf einmal keine Klassendurchschnitte mehr von Klassenarbeiten genannt werden – angeblich aus datenschutzrechtlichen Gründen! Hä?
    Ist auch wieder gegessen – heute erfahren die Schüler den Schnitt wieder. Und wir werden eine Lösung finden, um Klassenbilder für den Sitzplan zu machen. Bis…ja bis wieder eine neue Vorschrift kommt 🙂
    viele Grüße aus der Provinz von Frau Henner

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