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Schule & Informatik

Passt das Abitur?

Bald ist wieder Abitur und damit ist es auch nur eine Frage der Zeit bis die ersten Reaktionen in den Zeitungen stehen: „Das Abitur war zu schwer!“ oder sogar „nicht lösbar.“ oder vielleicht auch mal „… viel zu leicht im Vergleich zum Vorjahr und damit unfair den Vorjahresabiturienten gegenüber.“

Um so etwas zu verhindern und ein möglichst passendes Abiturniveau für alle Abiturienten zu erreichen, muss das Kultusminsterium dafür sorgen, dass der Unterricht möglichst konform an allen Schulen läuft: Die Inhalte sollten gleich sein und auch gleich tief behandelt werden. Das ist bei der aktuellen Lehrplanformulierung natürlich nicht ganz leicht zu erreichen, dafür sind die Themen manchmal einfach zu allgemein gehalten:

Algorithmus zum Graphendurchlauf (z. B. Tiefensuche) bei einer Aufgabenstellung aus der Praxis

Wenn die Tiefensuche im Abitur dran kommt, hat man als Schüler dann gewonnnen. Aber was, wenn der Lehrer lieber den Algorithmus von Dijkstra durchgenommen hat, den ich persönlich als wichtiger erachte.

Früher – vor allem in der Mathematik – war das etwas besser, da waren die Inhalte noch sehr viel konkreter gegeben.

Für ein faires Abitur ist es daher wichtig zu kontrollieren, was genau in den Schulen gemacht wird. Da aber nicht alle Unterrichtsstunden an allen Schulen angeschaut werden können, lässt sich das Kultusministerium die korrigierten Schulaufgaben schicken. Dabei geht es dann um die folgenden Kriterien, wobei ich mal in Klammern meine Gedanken ergänze:

  1. Lehrplankonformität (Wird auch alles gemacht?)
  2. Anforderungsniveau (Ist es auch nicht zu einfach oder zu schwer?)
  3. Erwartungshorizont (Ist die Bepunktung nachvollziehbar?)
  4. Sorgfalt und Transparenz der Korrektur (Wurde für den Schüler nachvollziehbar und helfend korrigiert?)
  5. Angemessenheit der Bewertung (Sind die Punkte auch fair vergeben worden?)
  6. Einhaltung formaler Anforderung (Wahrscheinlich Korrekturzeiten, Vollständigkeit etc.)

Wenn es jetzt aber nur um die Fairness gegenüber den Schüler geht, frage ich mich, warum soviel untersucht wird. Denn die Punkte 4, 5, 6 zielen eher auf die Arbeit des Lehrers ab und weniger auf die Leistungsfähigkeit der Schüler.

Und selbst den Punkt 1 halte ich aktuell für bedenklich, da nur Schulaufgaben aus dem ersten Halbjahr der elften Jahrgangsstufe respiziert werden sollen. So habe ich oft sehr verschieden leistungsstarke Schüler und muss am Anfang erstmal für ein ausgewogenes Niveau sorgen. Da muss der Lehrplan natürlich zunächst zurückstehen. Und zusammen mit der Tatsache, dass ich den Termin für die Schulaufgabe nur mitgeteilt bekomme und nicht selbst festlege, kann ich auch nur  das prüfen, was ich bis dahin geschafft habe – ich bin ja schließlich Pädagoge. Und so geht es wahrscheinlich manchen.

Ich bin also gespannt, was bei dieser Untersuchung herauskommt und wie sich das auf den Lehrplan oder das Abitur auswirkt.

4 Kommentare

  1. Auf einer dienstlichen Veranstaltung kamen neulich Signale, dass bei der Respizienz zumindest in einem meiner Fächer – nicht Informatik – nicht mehr gar so viel Akribie nötig sei wie ich sie eh nie verwendet habe. Kommt daher das mit dem 1. Halbjahr? Ich nehme an, diese Wünsche sind von Regierungsbezirk zu Regierungsbezirk veschieden und von Fach zu Fach auch. Ich habe nicht das Gefühl, dass sich irgendwer dafür interessiert, was ich so mache. Aber Mathe ist ja auch ein Fach, das im Abitur eine große Rolle spielt.

    • Es ging nicht um Mathe sondern Informatik. Und das es um Oberbayern-West ging, müsste es dich doch auch betrefffen, oder?

      • Ich bin ja kein Informatik-Fachbetreuer, und habe von unserem auch nichts dazu gesagt bekommen. Bin dieses Jahr in Q12 tätig, wenn’s nur um 11/1 geht, kriege ich vielleicht deshalb nichts mit. Warum ausgerechent Informatik, möchte man sich fragen. Da kenne ich andere Fächer, wo’s mehr Not täte.

        • Vielleicht ist Informatik immer zu gut ausgefallen – oder zu schlecht – oder jemand hat sich beschwert – oder jemand hat Langeweile – oder ….?

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