Was macht man eigentlich so als Systembetreuer und Lehrer? Eine Frage die ich vor allem von Freunden ab und zu mal höre. Deswegen möchte ihr mal eine kurzen Ablauf meines Tages darstellen, wie er oft, aber nicht immer in genau dieser Reihenfolge, stattfindet.

5:30-6:30 Aufstehen, möglichst viiiiiieeel KAFFEEEEEEEE und ab zum Bahnhof

6:37-7:03 Studium von Fachliteratur im Zug

Mein nächstes P-Seminar Angebot wird damit der Bau von Spielautomaten zusammen mit einer Schreinerei und einem Elektronik/TV-Fachgeschäft sein. Ziel des Projekts ist dann für alle Schüler eine Sammlung von klassische Spielautomat. Allerdings mit abgewandelten Spielen. So sollen vielleicht keine Alien-Raumschiffe abgeschossen werden, sondern nur Primzahlen.

7:20-7:27 Aufregung im Lehrerzimmer wegen eines eingekratzten „Pxxxxl“ auf einem Laptop-Bildschirm einer fahrbaren Einheit.Es bleibt die Frage: War das ein Lehrer oder hatte dieser „nur“ die Aufsicht vernachlässigt. Wenn ja, warum? Aber zum Glück war es dann nicht eingeritzt, sondern nur Bleistift und die Aufregung ist wieder vorbei. Die Frage bleibt aber offen, genauso wie der Verantwortliche.

Ach ja, eine fahrbare Einheit ist eine Kombination aus Beamer, Laptop, Lautsprechern, Audio-Verstärker und eventuell (VHS/)DVD-Kombigerät für die ich als Systembetreuer (Laptop) und Medienwart (der ganze Rest) zuständig bin.

7:30-8:15 1. Stunde Mathe in meiner Klassenleiter-KlasseErstmal den beeindruckenden Sonnenaufgang dokumentiert und dann einen kurzen Ausflug in die Physik gemacht, warum dieser ausgerechnet heute so schön ist.(*)

Dann der Versuch, die Strukturen hinter langen Rechentermen zu verdeutlichen.Von links nach rechts: Minusklammer-Regel, Distributiv-Gesetz, Multiplizieren von Klammern und Addieren/Subtrahieren von gleichartigen Termen. Ergebnis: Eigentlich steckt immer das Distributiv-Gesetz dahinter.

8:15-8:21 Ich hole mir einen Kaffee.

8:21 Erfahre, dass der Vertretungsplaner mir einen Vertratungsstunde als Raumtausch untergejubelt habe. Versuche das a) zu verstehen und b) zu verhindern – leider erfolglos.

8:27-9:00 Vertretungsstunde im Computerraum

Alle üben sich in Medienkompetenz: Manche machen Karol, andere kommunizieren mit ihren spanischen Austauschschülern über TwinSpaces.

9:00-9:15 1. Pause und Kaffee

9:15-10:00 Systembetreuer-Aufgaben

  1. Installiere einen Schul-Laptop neu
  2. Ein Laptop fährt kurz nach der Anmeldung immer wieder runter. Versuche parallel im Internet zu recherchieren, was das Problem ist.
  3. Beim Nachdenken inventarisiere ich noch ein paar Verlängerungskabel

10:00-10:45 Aufsicht

Unsere Neuntklässler sind alle in einem Raum versammelt und erhalten u.a. Informationen über das Berufspraktikum, das sie am Ende des Schuljahres eine Woche lang absolvieren müssen. Ich muss glücklicherweise“nur“ aufpassen.

10:45-11:00 2. Pause

Nach dem ganzen Kaffee brauch ich jetzt nur Wasser.

11:00-11:45 Informatik-Unterricht

Meine Neuntklässler arbeiten weiter an ihrem Projekt Funktionale Programmierung mit Java. Ich gehe rum und erkläre, was die Sichtbarkeit einer Methode ist; zeige, wo ein Semikolon – Stopp, kennen die nicht, ich muss von Strich-Punkt sprechen – fehlt oder erklären, das „System“ nicht das Gleiche wie „system“ ist.

11:45-12:27 Mathematik 12. Klasse

Noch schnell ein Lehrer-Passwort zurückgesetzt, dann endlich – sechste Stunde. Mit meinem Mathematik-Abiturkurs erforsche ich weiter die unendlichen Weiten der Stochastik. Der ein oder andere wird dabei zum Borg. Da werden nur Werte in Taschenrechner getippt und abgelesen, als wären die Rechner bereits implantiert. Ob die Ergebnisse sinnvoll sind – egal. Der Taschenrechner hat immer recht. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für das Ziehen einer Kugel mal bei 120% liegt. Wir haben ja noch ein bisschen Zeit bis zum Abitur.(**)

12:27-12:40 Warten

Warten auf das Wegfahren der Schüler mit den Bussen und Rädern, dann …

12:40-12:53 …schnell zum Bahnhof und zurück nach Hause.

Und wer jetzt denkt, dass wars – leider falsch. Ich muss für einen Nachschreiber eine Schulaufgabe entwerfen (2 Stunden), die Schulaufgabe für die Zwölftklässler muss entworfen werden (3-4 Stunden) – am besten gleich mit Nachschreibentwurf. Ich habe noch eine Informatik- und eine Physikschulaufgabe (3 und 4 Stunden – zum Glück unterrichte ich nicht Deutsch!) zu korrigieren und den Unterricht für nächste Woche oder wenigstens Montag vorzubereiten. Dazwischen gibt es dann noch den Taxifahrdienst für die Familie, Kochen, Einkaufen, etc. – was bin ich froh, wenn ich dann am Montag Morgen wieder im Zug sitze.

(*) Der Sonnenaufgang ist deswegen so schön, weil das Sonnenlicht an den kleinen Wassertropfen in der Luft gestreut wird. Das funktioniert auch mit Rauch oder Schneekristallen, wenn sie klein genug sind. Daher ist der Sonnenuntergang in Mexico-City auch sehr schön, denn dort gibt es genügend feinste Teilchen in der Luft – Smog, die für ein schönes Rot sorgen. Außer der Smog ist schon zu dicht.