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Schule & Informatik

Wo gibt es Steine und Meißel?

Heute lag eine Broschüre vom Verband Bildungs Medien in meinem Fach in dem auf das „Fotokopieren und Serverspeicherungen in der Schule“ eingegangen wird. Neben den üblichen, bekannten Einschränkungen (max. 12% eines Werkes oder 20 Seiten etc.) gibt es aber ein paar Fälle, die wirklich …(irgendein Schimpfwort)… sind. Diese Fälle entstehen dadaurch, dass generell nichts eingescannt werden darf!

Es dürfen keine Bilder eingescannt und in Arbeitsblätter eingefügt werden.

Ein Kopieren des Bildes, ausschneiden, aufkleben auf das Arbeitsblatt und dann Kopieren müsste aber gehen. Allerdings darf das Arbeitsblatt dann nicht abschließend eingescannt werden.

Viel schlimmer wird es aber jetzt für die zunehmende Anzahl an Whiteboard-Nutzern:

Das Zeigen von Bildern und Texten aus Schulbüchern an interaktiven Whiteboards ist verboten.

Erklärung: Vorher muss das Material eingescannt werden. Die einzige Lösung ist in meinen Augen das Aufstellen von Dokumentenkameras (Kosten sind da locker mal bei 400 Euro außer man baut selbst welche, wobei eine Mikrofonhalterung einfacher und auch einen flexibleren Arm hat) oder E-P-I-S-K-O-P-E, die ja zum Glück nicht weggeschmissen wurden, oder? Ich habe noch eines aufgehoben. Wer übrigens nicht weiß, was ein Episkop ist, hier noch ein Bild:

Dazu heißt es noch bei wikipedia:

Im schulischen Unterricht oder bei Präsentationen werden Episkope kaum oder gar nicht mehr verwendet. Verdrängt wurden sie von den leichter zu handhabenden Tageslichtprojektoren (…)

Ich bin ja mal gespannt, wie lange diese Formulierung in „…werden seit 2012/13 wieder vermehrt eingesetzt…“ geändert wird.

Diese ganzen Einschränkungen gelten im Übrigen auch für die Lernplattfrom moodle, die ja gerade vom Kultusministerium stark gepusht wird. Auch hier dürfen keine eingescannten Bilder, Texte, Musterlösungen, Aufgaben oder sonst etwas für die Schüler bereitsgestellt werden.

Was heißt das jetzt in der Praxis: Wir gehen wieder zurück zu Kleber und Schere, erstellen händisch Arbeitsblätter und Folien, die dann zu Hause archiviert werden müssen (Arbeitszimmerdisskusion!) und sammeln weiter 10 Euro Papiergeld ein, weil inzwischen 500.000 (!) Blatt Papier pro Schuljahr verbraucht werden. Da frag ich mich dann doch, wie hinterwäldlerisch wir hier in Europa bzw. Deutschland sind. In Südkorea geht es doch auch anders:

(…) Die Schüler sollen digitale Schulbücher über Computer, Smartphones, Tablets oder den Fernseher abrufen können. Die Bücher für Grundschüler sollen 2014 verfügbar sein, die für die weiterführenden Schulen ein Jahr später.(…)

Vielleicht sollten wir wieder zu Stein und Meißel greifen, um den Bergbau am Leben zu halten oder die Bücher, wie die Babylonier, wieder in Keilschrift auf selbstgemachten Tontafeln schreiben. Das wäre dann auch gleich fächerübergreifender Unterricht unter gleichzeitiger Berücksichtigung von reformpädagogischen Gesichtspunkten.

Und bevor ich es vergesse: Ich habe absolutes Verständnis dafür, dass die Verlage und die Autoren Geld für ihre Leistungen haben wollen. Das ist absolut in Ordnung. Mich stört, dass die Verlage, anstatt nach neuen Wegen zu suchen, sich lieber umdrehen und die alten Pfade weiterbenutzen wollen. Warum können sie nicht, ähnlich zur Musikbranche, einen Art Streaming-Dienst für ihre Materialien anbieten. Die Schulen oder das KM würden dann die Gelder für Bücher und Papier für die Zugangsberechtigung auf die Medien nutzen – nur so mal als Anregung.

Aber wenn das so weiter geht, werde ich wohl meinen eigenen Lehrmaterial-Streaming-Dienst aufmachen.

5 Kommentare

  1. Die Verwendung von Episkopen ist ebenfalls verboten! Begründung: Episkope bedienen sich digitaler Technologie, d.h. das analoge Eingangssignal (z.B. der durch die Buchvorlage erzeugte Lichtimpuls) wird wird in digitale Daten umgewandelt und dann an den Beamer gesendet.

    Dieser Vorgang ist illegal. Beim Overheadprojektor verhält es sich anders: Hier wird das analoge Signal ohne Umwege direkt und ebenfalls analog weiterverarbeitet.

    Ne … war nur ein Witz. 🙁

    Grüße,
    stephan@spamschlucker.org

    • So weit ich weiß, digitalisiert ein Episkop nicht, sondern bildet nur ab: Projektor.
      Wie auch immer, ein Kollege meinte, dass das Ganze sich ja eh nur auf Schulbücher bezieht und ihn damit nicht berühren würde. Aber das ist, denke ich, nicht so.

  2. Bei dem Verbot geht es nur um Schulbücher und ähnliches speziell für den Unterricht hergestelltes Material. Bilder aus anderen Quellen darf ich „auf dem Schulserver ablegen“, was auch immer das heißt. Dann darf ich sie wohl auch „in das Intranet stellen“, was immer das heißt. Ich nehme mal an, ein Moodlekurs, wenn korrekt passwortgeschützt, ist auch so ein Intranetdingens.

    Informatik-Schulbücher haben gerne mal Material aus dem Buch (Bilder, Folien, Präsentationen) auf einer Begleit-CD. Andere Fächer sind noch nicht so weit. Ich kann aber in Deutsch, aber auch Informatik in vielen Jahrgangsstufen auf Schulbuchmaterial verzichten. (Deutschlerher meiner Generation sind notorische Nichtbuchnutzer.) Abschaffen wird man Schulbücher sicher nie, im Lehr- und Lernmittelausschuss repräsentiert die Menge an bestellten Schulbüchern auch die Wichtigkeit des Faches, und da steht keines gerne zurück.

  3. Kopieren darfst du auch nicht. Bei jeder Kopie wird auch eine digitale Kopie angefertigt und auf der Festplatte des Kopierers gespeichert.

    Diese Regelungen sind so dermaßen lächerlich, dass es meine Intelligenz beleidigt und meinen Anstand zwingt sie nicht nur zu ignorieren sondern bewusst zu brechen.

    • Stimmt! Das hatte ich vergessen. Dann kann man vor allem nachweisen, wer was kopiert hat – auch privat. Ich erinnere mich, dass mal bei ausrangierten Firmenkopierern auf den Festplatten die Steuererklärungen der Mitarbeiter gefunden wurden. Gaaaannnnnzzz übel =%/

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