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Schule & Informatik

Messer schmieden

Am Wochenende hatte ich das Vergnügen mit einem Freund in die Kunst des Messerschmiedens eingewiesen zu werden. Jetzt keine Samuraischwerter oder so. Aber doch funktionstüchtige Messer für die Jagd oder den Küchengebrauch. Gerade letzteres war stark vertreten und wurde von den anderen Teilnehmern in Anlehnung an die chinesischen Messer umgesetzt. Ich selbst hatte mir nach kurzem Überlegen ein „europäisches“ Küchenmesser vorgenommen. Mit runder Klinge, so dass es meinem Bewegungsablauf entgegenkommt. Mein Griff geht auch etwas nach oben weg, da ich immer wieder beim Schneiden mit den Fingerknöcheln auf der Unterlage aufkomme. Das wird dann hoffentlich nicht mehr so sein.

Nach ein paar Sicherungseinführungen bekamen wir Hinweise zur Feuerführung. Da wir mit Steinkohle heizten, mussten wir auf die entstehende Schlacke achten. Diese durfte beim Schmieden nicht auf dem glühenden Metall  sein, da durch die Wucht der Schläge die Schlacke wegspritzen kann. Neue Kohle durfte zunächst nur an den Rand des Feuers gelegt werden, damit der Schwefel erstmal „wegrauchen“ konnte und nicht in das Metall eindringt.

Dann bekammen wir einfachen Industriestahl mit dem wir am Samstagmorgen schon mal unser Messer probeschmieden konnten. Und ein wenig Selbstvertrauen und Erfahrung aufbauen konnten. Denn es gehört schon was dazu einen Hammer aus ungefähr einem Meter Höhe auf ein rot bis gelbglühendes Metall fallen zu lassen.

Am Nachmittag bekammen wir dann das eigentliche Material: Spezieller Stahl mit einem härteren Stahl in der Mitte und jeweils fünf Lagen weicheren Stahl an den Seiten. Je nach Länge des Materials mussten wir den Stahl auf den Zentimeter genau bezahlen. Dies trieb die Anspannung dann doch merklich nach oben, da einem jetzt so richtig klar wurde, das wir jeden Fehlschlag teuer zu bezahlen hatten. Jetzt also nur keinen Fehler machen! Den Stahl nicht zu heiß werden lassen (ist mir dann doch leider passiert, weil ich es an einer Stelle doch zu dünn geschmiedet hatte), nicht zu kalt werden lassen, sonst gibt es Risse oder so. Abends um Sechs waren dann die Rohlinge fertig.

Am Sonntag wurde dann geschliffen. Zunächst wurden wir erstmal in die Unterschiede von Klingenformen eingeführt: Warum ist ein Fleischmesser anders geschnitten als ein Gemüsemesser? Weil ein Gemüsemesser eigentlich nur Druck auf die Klinge bringen muss, daher ist es sehr dünn. Ein Fleischmesser muss auch mal Knorpel oder sogar Knochen durchschneiden können und muss daher auch Druck zur Seite aufbauen können. Daher sind diese Messer nicht nur wegen der Stabilität am Messerrücken dicker, sondern auch an der Schnittseite.

Also Winkelschleifer in die Hand und vorsichtig die Messerklinge abschrägen – glatt nicht rund. Was nicht so einfach ist, wenn man ein solches Gerät zum ersten Mal in der Hand hat. Denn was einmal weg ist, ist für immer weg. Daher hat dann ein Teilnehmer hauptsächlich mit der Handfeile gearbeitet. Zwischen den Schleifvorgängen wurde immer mal wieder mit Eisen-III-Chlorid die Klinge ein wenig geätzt. So konnte ich den Verlauf der Lagen besser kontrollieren. Abschschließend nochmal an den Bandschleifer und danach Schmirgelpapier und schmirgeln bis die Blasen kommen.

Am Sonntag Nachmittag dann der wohl wichtigste Schritt: Härten. Dazu wurden die Klingen in einem speziellen Ofen auf 820 Grad Celsius erhitzt und dann in Öl schnell, aber kontrolliert, abgekühlt. Damit die Klinge aber nicht zu brüchig durch das Härten wird, hat Stefan, der Schmied, dann die Messerrücken nach mal angelassen. D.h. er erhitzte kontrollierte die Messerrücken, die Schneidklinge nicht. Dadurch entspannt sich das Messer, wird elastischer, aber die Klinge bleibt hart. Dann nochmal säubern, schleifen, ätzen und die Schneikante schärfen. Fertig!

Denn Griff muss ich noch machen. Stefan ist ja auch Schmied und nicht Holzbearbeiter. Denn mache ich dann noch zu Hause fertig. Eine Idee habe ich schon, jetzt brauche ich noch das Material.

Aber selbst ohne Griff war das Schneiden am Abend schon mal ein Vergnügen. Eine Frühlingszwiebel wurde mein erstes Opfer.

Unten im Bild ist übrigens das Probemesser vom Samstag Vormittag zu sehen.

Insgesamt eine ausgesprochen empfehlenswerte Veranstaltung. Und wer vier bis sechs Leute zusammebekommt, kann sich direkt an Stefan wegen eines Kurses wenden. Er freut sich, dann so gut läuft das Geschäft für einen Schmied hierzulande dann doch nicht. Die Konkurenz aus China ist einfach zu billig. Aber seine Arbeiten und Fachwissen sind wirklich beeindruckend. Die Schmied befindet sich auf dem Gelände der Kultfabrik in München. Ach ja Kurse kann man nicht nur im Messerschmieden, sondern auch Axt schmieden machen (Dauer: 1 Woche, vielleicht nach Absprache auch kürzer, wenn man andere Rohlinge benutzt). Aber auch allgemeine Einführungskurse werden angeboten.

3 Kommentare

  1. Toll. Merke ich mir. Wegen Leute zusammentreiben und machen.

  2. Melde dich dann. Ich wäre nochmals an einem Kurs interessiert. Denn gute Messer und Äxte kann man nicht genug haben. Der einwöchige Axtkurs soll aber ca. 700 Euro kosten! Pro Person! Wenn man aber bedenkt, was Stefan für Unkosten hat, finde ich es machbar. Man muss halt drauf sparen.

  3. Voll die superklasse Skizze sensationell 🙂

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